Kinder sind kein Schadensfall
Freitag, 07 März 2008
Wien (KNA) Nach dem jüngsten Urteil über Zahlungen für ein behindertes Kind in Österreich übt die Kirche des Landes Kritik an der Entscheidung. Die österreichischen Bischöfe seien tief besorgt über Tendenzen in der Gesellschaft, die das Lebensrecht von Behinderten infrage stellten, sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am Feitag. Es falle nicht leicht, ein Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) zu kritisieren. Es könne aber nicht angehen, dass ein Kind zu einem «Schadensfall» erklärt wird.


Der OGH hatte Mitte der Woche den Eltern eines behinderten Kindes, dessen Schädigung von einer Krankenhausärztin nicht erkannt worden war, den Ersatz sämtlicher Lebensunterhaltskosten für das Kind zugesprochen. Die OGH-Entscheidung sei folgenschwer, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der österreichischen Bischöfe.

Ärzte könnten in Zukunft noch mehr darauf drängen, «dass beim geringsten Anzeichen der Möglichkeit einer Behinderung des ungeborenen Kindes eine Abtreibung erfolgt, um 'Schadenersatzzahlungen' vorzubeugen». Dadurch würden Angstdiagnosen gegen ungeborene Kinder gefördert und die Eltern weiter verunsichert.

In der Erklärung «Kinder sind kein Schadensfall» appellieren die österreichischen Bischöfe an den Gesetzgeber, «umgehend Bestimmungen umzusetzen, die das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung sicherstellen und Schadenersatzzahlungen aus der Tatsache der Geburt eines Menschen» unmöglich machen.

 

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