Ein Schönheitspapst gibt sich als Moralapostel
Donnerstag, 03 September 2009
München (KNA) In Society-Kreisen ist «seine Nase» längst zu einem Statussymbol geworden. Keiner macht sie so edel wie Schönheitschirurg Werner Mang, und der verdiente sich damit sowie mit dem ihm eigenen Fleiß und Ehrgeiz in den vergangenen 30 Jahren tatsächlich eine goldene Nase. Seine weithin bekannte Bodenseeklinik gilt längst als «Mekka der Schönheitschirurgie», wo sich Prominente die Türklinke in die Hand drücken. Und der Chef macht auch kein Hehl daraus, dass es ihm Spaß macht, mehrere Wohnsitze, eine Jacht und einen Fuhrpark edler Sportwagen zu besitzen. Derzeit nimmt er sogar noch Flugstunden.


Zum 60. Geburtstag am Freitag hat Deutschlands Schönheitspapst nun ein Buch mit dem Titel «Verlogene Schönheit. Vom falschen Glanz und eitlen Wahn» vorgelegt. Ihm zur Seite stand der Boulevard-Journalist Norbert Lewandowski, der die 18 Kapitel entsprechend aufbereitete. Bei der Präsentation am Mittwoch in einem Münchner Edel-Hotel konfrontierte denn auch TV-Journalistin Nina Ruge ihren Duz-Freund Mang damit, warum diese kritische Bilanz über seinen Beruf bitteschön so boulevardesk sein müsse.

So richtig wusste Mang darauf nichts zu antworten. Ihm gefällt es eben, ein wenig zu provozieren. Vor allem aber will der mit gesundem Selbstbewusstsein ausgestattete Mang, der von sich und seiner Hände Arbeit überzeugt ist, zum Nachdenken anregen. Als Präsident der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin sorgt er sich um den Ruf seines Fachgebiets. Besonders seine amerikanischen Kollegen, die den Hollywood-Stars riesige Busen und Einheitsgesichter mit aufgespritzten Lippen verpassen, sind ihm ein Dorn im Auge. Mit vernünftiger Schönheitschirurgie habe es auch nichts mehr zu tun, wenn etwa Mittelfußknochen entfernt werden, damit die modebewusste Frau noch höhere High-Heels tragen könne.

Nach 30 Jahren in dem Geschäft gibt sich Mang zwar nicht total geläutert, aber dazugelernt haben will auch er. So räumt der Arzt ein, Fehler gemacht zu haben. Manche OP, wie etwa jene bei einem jungen Mann, der seinem Idol Brad Pitt gleichen wollte, würde er heute nicht mehr machen. Das mag auch damit zu tun haben, dass immer häufiger 15-jährige Mädchen mit ihren Eltern zu ihm in die Praxis kommen, die eine Nase wie Claudia Schiffer wollen. «Wichtig ist was im Kopf und nicht was außerhalb ist.». Der Arzt sorgt sich um das Schönheitsideal der jungen Leute und - Geschäft hin oder her - über ihre Prioritäten.

Seinen Beruf will der Schönheitschirurg deshalb aber nicht an den Nagel hängen. Wer sich in seiner Haut wirklich nicht wohl fühle, solle an sich etwas machen lassen. Falls unter Prominenten derzeit die Angst umgeht, dass der Mediziner Namen nennen könnte, so ist dies unbegründet. «Fürchten muss sich niemand», versichert Mang, auch für ihn gilt wie für jeden anderen Arzt die Schweigepflicht. Aber ärgern tut es ihn schon, dass da Stars in vorgerückten Jahren behaupten, häufiges Baden in Rosenwasser bewahre ihnen ihr jugendliches Aussehen, obwohl es sein Skalpell gewesen sei. «Sie sollen es halt zugeben», findet Mang.

An sich hat er von einem seiner Kollegen noch nicht Hand anlegen lassen. Ihn stören seine Tränensäcke nicht. Fit und schlank ist er aber, da folgt er dem von ihm grundsätzlich ausgegeben Ratschlag: «Lieber gesund ernähren als operieren lassen.» Als Moralapostel gibt er sich dann doch noch zu erkennen, und das nicht nur, weil die Erlöse des Buchs in seine Stiftung für Unfallopfer fließen. Seit 1985 ist er nämlich mit seiner ersten (!) Frau verheiratet und gelte damit im Bekanntenkreis als «spießig und rückständig». Er selber sei aber jedes Mal peinlich berührt, wenn bei Empfängen Männer seines Alters mit blutjungen Dingern protzten: «So leid es mir tut: Einen Altersunterschied von 20 plus finde ich nur lächerlich.»

 

© KNA Alle Rechte Vorbehalten

 Hwelt

 

Kommentare
Neuer Kommentar
+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Website:
Titel:
UBBCode:
[b] [i] [u] [url] [quote] [code] [img] 
 
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."