Wärme, Sonne und niedrige Lebenshaltungskosten. Traumhafte Bedingungen für einen Ruhestand. Ute S., Frührentnerin wegen Arthrose, ist eine von vielen Menschen die eine Entscheidung getroffen hat. Die Entscheidung, den Lebensabend unter Palmen zu verbringen. Genauer gesagt unter Thailändischen Palmen. Das Pflegepersonal und die Medikamente sind billig und die Betreuung findet rund um die Uhr statt. Luxusheime zu Schnäppchen-Preisen, um es auf den Punkt zu bringen.
Wolfgang Luck zeigt in der NDR Doku-Reihe 45 Min, Oma will nach Thailand, Menschen die aus den verschiedensten Gründen nach Thailand ausgewandert sind. Der Dokumentarfilmer porträtiert Menschen mit Alzheimer, sowie Menschen die darauf spekulieren im Alter von ihren sogenannten "Thai-Ladys" gepflegt und umsorgt zu werden. Die Anfangsbeziehung, die meist auf Geld gegen Sex aufbaut, wird dann einfach in ein Pflege Geschäft umgewandelt, so Wolfgang Luck.
...so weit ich sehen kann, ist das die erste deutschsprachige Doku zum Thema "Pflege/Alter in Thailand", die sich Zeit für sachliche Beobachtung nimmt, die den schmalen Grat zwischen euphorischer Überhöhung und moralinsauerem Zeigefinger meistert und im Ergebnis einen ziemlich realistischen Anfangseindruck von Chancen und Fußangeln vermittelt.
Man kann fast nur hoffen, dass diese gute Doku nie als Grundlage für deutsche Talkshows herhalten muss. Allzu oft sah ich Martin Woodtli (Pflegeprojekt-Gründer in Chiang Mai) als hoffnungslos verlore Beute der selbsternannten Wir-wissen-von-vorneherein-alles-am-besten-Experte nmeute, die nie Thai-Boden betrat, aber mit angeborener Moral-Hoheit weiß: "Die Oma in die Fremde abschieden, ist das nicht skandalös?!"
Mein Vorschlag als Antwort an diese Vorurteils-Profis: 1. Lernen Sie deutsche Pflegeheime und ihre unlösbaren systemischen Probleme kennen (chronischer Geldmangel --> chronischer Personalmangel --> chronische Überlastung --> Menschlichkeit unerschwinglich, nicht leistbar). 2. Fragen Sie nach der prekären wirtschaftlichen Situation vieler Rentner und Pflegeheimzahler in DE. 3. Reisen Sie nach Thailand und gewinnen Sie ein autentisches Bild davon, wie sich "Lebensabend" und "Gepflegt werden" anfühlen könnte in einem Land und einer Kultur, die ein Europäer mit theoretischem Herangehen niemals wird begreifen und fühlen können. 4. Lassen Sie auf sich wirken, was es heißt, als Pflegebedürftiger 24 Stunden am Tag umsorgt und wahrgenommen zu sein, statt versorgt und per zeitsparender Magensonde gesättigt. 5. Fragen Sie Ihre eigene Oma, welches Modell sie im Fall der Fälle bevorzugen würde. -- Und dann sagen Sie der TV-Talk-Welt bei nächster Gelegenheit, welches Lebensabendmodell wohl eher menschenwürdig und welches eher skandalös ist.
Die selbe Vorsicht vor schnellen Urteilen sollte übrigens auch für ein spezielle Sub-Thema gelten, das die NDR-Doku ja auch (einigermaßen wertneutral) anschneidet: "Ich angle mir eine Thaifrau als billige Pflegerin." Natürlich gibt es, wie immer unter Menschen, Ausbeuterverhältnisse. Aber ohne Zweifel gilt auch hier für die generelle Einschätzung: Ein Europäer ohne Fühlung für Land und Thai-Mentalität wird aus der Entfernung niemals das eigentliche Wesen solcher Arrangements nachvollziehen können. Was bei platter Draufschau per se nach Ausbeutung riecht, ist in der Realität sehr oft ein tragfähiges und anständig gestaltetes Win-Win-Unternehmen für alle Beteiligten, für "Pflegling", Pflegende und oft ganze Familienstrukturen dahinter, die davon profitieren. Oder wissen alle nur noch nicht, dass sie ausgebeutet werden?
Wer für sich selbst über Lebensabendmodelle nachdenkt und bei der NDR-Doku nachdenklich geworden ist, dem kann ich nur empfehlen: Einfach mal Thailand bereisen, Eindrücke und Fühlung tanken, per Billigflug mit Bangkok-Air oder Air Asia nach Chiang Mai hüpfen und Woodtli besuchen. Aber unbedingt vorher ihn anrufen. Denn die deutschen Moralhoheiten haben den guten Thai-Schweizer wohl ein wenig mürbe gemacht. Jedenfalls empfängt er Besucher nur noch nach Anhörung der Besuchsmotive... und verlangt dann Besuchereintritt. Aber nunja, so viel sollte uns die Chance auf fundierte Information schon wert sein. In vielfacher Hinsicht teurer kommen könnte jedenfalls der Lebensabend mit zeitsparender Magensonde.
...so weit ich sehen kann, ist das die erste deutschsprachige Doku zum Thema "Pflege/Alter in Thailand", die sich Zeit für sachliche Beobachtung nimmt, die den schmalen Grat zwischen euphorischer Überhöhung und moralinsauerem Zeigefinger meistert und im Ergebnis einen ziemlich realistischen Anfangseindruck von Chancen und Fußangeln vermittelt.
Man kann fast nur hoffen, dass diese gute Doku nie als Grundlage für deutsche Talkshows herhalten muss. Allzu oft sah ich Martin Woodtli (Pflegeprojekt-Gründer in Chiang Mai) als hoffnungslos verlore Beute der selbsternannten Wir-wissen-von-vorneherein-alles-am-besten-Experte nmeute, die nie Thai-Boden betrat, aber mit angeborener Moral-Hoheit weiß: "Die Oma in die Fremde abschieden, ist das nicht skandalös?!"
Mein Vorschlag als Antwort an diese Vorurteils-Profis: 1. Lernen Sie deutsche Pflegeheime und ihre unlösbaren systemischen Probleme kennen (chronischer Geldmangel --> chronischer Personalmangel --> chronische Überlastung --> Menschlichkeit unerschwinglich, nicht leistbar). 2. Fragen Sie nach der prekären wirtschaftlichen Situation vieler Rentner und Pflegeheimzahler in DE. 3. Reisen Sie nach Thailand und gewinnen Sie ein autentisches Bild davon, wie sich "Lebensabend" und "Gepflegt werden" anfühlen könnte in einem Land und einer Kultur, die ein Europäer mit theoretischem Herangehen niemals wird begreifen und fühlen können. 4. Lassen Sie auf sich wirken, was es heißt, als Pflegebedürftiger 24 Stunden am Tag umsorgt und wahrgenommen zu sein, statt versorgt und per zeitsparender Magensonde gesättigt. 5. Fragen Sie Ihre eigene Oma, welches Modell sie im Fall der Fälle bevorzugen würde. -- Und dann sagen Sie der TV-Talk-Welt bei nächster Gelegenheit, welches Lebensabendmodell wohl eher menschenwürdig und welches eher skandalös ist.
Die selbe Vorsicht vor schnellen Urteilen sollte übrigens auch für ein spezielle Sub-Thema gelten, das die NDR-Doku ja auch (einigermaßen wertneutral) anschneidet: "Ich angle mir eine Thaifrau als billige Pflegerin." Natürlich gibt es, wie immer unter Menschen, Ausbeuterverhältnisse. Aber ohne Zweifel gilt auch hier für die generelle Einschätzung: Ein Europäer ohne Fühlung für Land und Thai-Mentalität wird aus der Entfernung niemals das eigentliche Wesen solcher Arrangements nachvollziehen können. Was bei platter Draufschau per se nach Ausbeutung riecht, ist in der Realität sehr oft ein tragfähiges und anständig gestaltetes Win-Win-Unternehmen für alle Beteiligten, für "Pflegling", Pflegende und oft ganze Familienstrukturen dahinter, die davon profitieren. Oder wissen alle nur noch nicht, dass sie ausgebeutet werden?
Wer für sich selbst über Lebensabendmodelle nachdenkt und bei der NDR-Doku nachdenklich geworden ist, dem kann ich nur empfehlen: Einfach mal Thailand bereisen, Eindrücke und Fühlung tanken, per Billigflug mit Bangkok-Air oder Air Asia nach Chiang Mai hüpfen und Woodtli besuchen. Aber unbedingt vorher ihn anrufen. Denn die deutschen Moralhoheiten haben den guten Thai-Schweizer wohl ein wenig mürbe gemacht. Jedenfalls empfängt er Besucher nur noch nach Anhörung der Besuchsmotive... und verlangt dann Besuchereintritt. Aber nunja, so viel sollte uns die Chance auf fundierte Information schon wert sein. In vielfacher Hinsicht teurer kommen könnte jedenfalls der Lebensabend mit zeitsparender Magensonde.
Toller Kommentar, besonders die Empfehlung, Thailand einmal selbst einmal zu bereisen, was ich Anfang März definitiv tuen werde. Vielleicht geb ich dann meinen Senf auch dazu.
Toller Kommentar, besonders die Empfehlung, Thailand einmal selbst einmal zu bereisen, was ich Anfang März definitiv tuen werde. Vielleicht geb ich dann meinen Senf auch dazu.[/quote]
Danke fürs Kurz-Echo.
Anfang März? Na, dann sehen wir uns vielleicht ;-)