Netzfernsehen: Oma will nach Thailand Drucken E-Mail
Montag, 27 Februar 2012

Wärme, Sonne und niedrige Lebenshaltungskosten. Traumhafte Bedingungen für einen Ruhestand. Ute S., Frührentnerin wegen Arthrose, ist eine von vielen Menschen die eine Entscheidung getroffen hat. Die Entscheidung, den Lebensabend unter Palmen zu verbringen. Genauer gesagt unter Thailändischen Palmen. Das Pflegepersonal und die Medikamente sind billig und die Betreuung findet rund um die Uhr statt. Luxusheime zu Schnäppchen-Preisen, um es auf den Punkt zu bringen.

Wolfgang Luck zeigt in der NDR Doku-Reihe 45 Min, Oma will nach Thailand, Menschen die aus den verschiedensten Gründen nach Thailand ausgewandert sind. Der Dokumentarfilmer porträtiert Menschen mit Alzheimer, sowie Menschen die darauf spekulieren im Alter von ihren sogenannten "Thai-Ladys" gepflegt und umsorgt zu werden. Die Anfangsbeziehung, die meist auf Geld gegen Sex aufbaut, wird dann einfach in ein Pflege Geschäft umgewandelt, so Wolfgang Luck.

 

Oma will nach Thailand

 

 

Quelle: NDR.DE

 Hwelt

 

 

 

 

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Mick  - Gratulation...   |79.235.131.xxx |2012-02-28 04:29:17
...so weit ich sehen kann, ist das die erste deutschsprachige Doku zum Thema
"Pflege/Alter in Thailand", die sich Zeit für sachliche Beobachtung
nimmt, die den schmalen Grat zwischen euphorischer Überhöhung und moralinsauerem
Zeigefinger meistert und im Ergebnis einen ziemlich realistischen
Anfangseindruck von Chancen und Fußangeln vermittelt.

Man kann fast nur hoffen,
dass diese gute Doku nie als Grundlage für deutsche Talkshows herhalten muss.
Allzu oft sah ich Martin Woodtli (Pflegeprojekt-Gründer in Chiang Mai) als
hoffnungslos verlore Beute der selbsternannten
Wir-wissen-von-vorneherein-alles-am-besten-Experte nmeute, die nie Thai-Boden
betrat, aber mit angeborener Moral-Hoheit weiß: "Die Oma in die Fremde
abschieden, ist das nicht skandalös?!"

Mein Vorschlag als Antwort an diese
Vorurteils-Profis: 1. Lernen Sie deutsche Pflegeheime und ihre unlösbaren
systemischen Probleme kennen (chronischer Geldmangel --> chronischer
Personalmangel --> chronische Überlastung --> Menschlichkeit unerschwinglich,
nicht leistbar). 2. Fragen Sie nach der prekären wirtschaftlichen Situation
vieler Rentner und Pflegeheimzahler in DE. 3. Reisen Sie nach Thailand und
gewinnen Sie ein autentisches Bild davon, wie sich "Lebensabend" und
"Gepflegt werden" anfühlen könnte in einem Land und einer Kultur, die
ein Europäer mit theoretischem Herangehen niemals wird begreifen und fühlen
können. 4. Lassen Sie auf sich wirken, was es heißt, als Pflegebedürftiger 24
Stunden am Tag umsorgt und wahrgenommen zu sein, statt versorgt und per
zeitsparender Magensonde gesättigt. 5. Fragen Sie Ihre eigene Oma, welches
Modell sie im Fall der Fälle bevorzugen würde. -- Und dann sagen Sie der
TV-Talk-Welt bei nächster Gelegenheit, welches Lebensabendmodell wohl eher
menschenwürdig und welches eher skandalös ist.

Die selbe Vorsicht vor
schnellen Urteilen sollte übrigens auch für ein spezielle Sub-Thema gelten, das
die NDR-Doku ja auch (einigermaßen wertneutral) anschneidet: "Ich angle mir
eine Thaifrau als billige Pflegerin." Natürlich gibt es, wie immer unter
Menschen, Ausbeuterverhältnisse. Aber ohne Zweifel gilt auch hier für die
generelle Einschätzung: Ein Europäer ohne Fühlung für Land und Thai-Mentalität
wird aus der Entfernung niemals das eigentliche Wesen solcher Arrangements
nachvollziehen können. Was bei platter Draufschau per se nach Ausbeutung riecht,
ist in der Realität sehr oft ein tragfähiges und anständig gestaltetes
Win-Win-Unternehmen für alle Beteiligten, für "Pflegling", Pflegende und
oft ganze Familienstrukturen dahinter, die davon profitieren. Oder wissen alle
nur noch nicht, dass sie ausgebeutet werden?

Wer für sich selbst über
Lebensabendmodelle nachdenkt und bei der NDR-Doku nachdenklich geworden ist, dem
kann ich nur empfehlen: Einfach mal Thailand bereisen, Eindrücke und Fühlung
tanken, per Billigflug mit Bangkok-Air oder Air Asia nach Chiang Mai hüpfen und
Woodtli besuchen. Aber unbedingt vorher ihn anrufen. Denn die deutschen
Moralhoheiten haben den guten Thai-Schweizer wohl ein wenig mürbe gemacht.
Jedenfalls empfängt er Besucher nur noch nach Anhörung der Besuchsmotive... und
verlangt dann Besuchereintritt. Aber nunja, so viel sollte uns die Chance auf
fundierte Information schon wert sein. In vielfacher Hinsicht teurer kommen
könnte jedenfalls der Lebensabend mit zeitsparender Magensonde.
S. Aaer (65)  - re: Gratulation...   |78.51.83.xxx |2012-02-28 11:56:45
Mick schrieb:
...so weit ich sehen kann, ist das die erste deutschsprachige Doku zum
Thema "Pflege/Alter in Thailand", die sich Zeit für
sachliche Beobachtung nimmt, die den schmalen Grat
zwischen euphorischer Überhöhung und moralinsauerem Zeigefinger
meistert und im Ergebnis einen ziemlich realistischen Anfangseindruck von
Chancen und Fußangeln vermittelt.

Man kann fast nur hoffen, dass
diese gute Doku nie als Grundlage für deutsche Talkshows herhalten muss.
Allzu oft sah ich Martin Woodtli (Pflegeprojekt-Gründer in Chiang
Mai) als hoffnungslos verlore Beute
der selbsternannten Wir-wissen-von-vorneherein-alles-am-besten-Experte
 nmeute, die nie Thai-Boden betrat, aber mit angeborener Moral-Hoheit
weiß: "Die Oma in die Fremde abschieden, ist das nicht
skandalös?!" 

Mein Vorschlag als Antwort an
diese Vorurteils-Profis: 1. Lernen Sie deutsche Pflegeheime und ihre
unlösbaren systemischen Probleme kennen (chronischer Geldmangel
--> chronischer Personalmangel --> chronische Überlastung -->
Menschlichkeit unerschwinglich, nicht leistbar). 2. Fragen Sie nach der
prekären wirtschaftlichen Situation vieler Rentner
und Pflegeheimzahler in DE. 3. Reisen Sie nach Thailand und gewinnen
Sie ein autentisches Bild davon, wie sich "Lebensabend"
und "Gepflegt werden" anfühlen könnte in einem Land und einer
Kultur, die ein Europäer mit theoretischem Herangehen niemals wird
begreifen und fühlen können. 4. Lassen Sie auf sich wirken, was es
heißt, als Pflegebedürftiger 24 Stunden am Tag umsorgt und wahrgenommen zu
sein, statt versorgt und per zeitsparender Magensonde gesättigt. 5.
Fragen Sie Ihre eigene Oma, welches Modell sie im Fall der Fälle bevorzugen
würde. -- Und dann sagen Sie der TV-Talk-Welt bei
nächster Gelegenheit, welches Lebensabendmodell wohl eher
 menschenwürdig und welches eher skandalös ist. 

Die selbe Vorsicht
vor schnellen Urteilen sollte übrigens auch für ein spezielle Sub-Thema
gelten, das die NDR-Doku ja auch (einigermaßen wertneutral)
anschneidet: "Ich angle mir eine Thaifrau als billige Pflegerin."
Natürlich gibt es, wie immer unter Menschen, Ausbeuterverhältnisse.
Aber ohne Zweifel gilt auch hier für die generelle Einschätzung: Ein
Europäer ohne Fühlung für Land und Thai-Mentalität wird aus der
Entfernung niemals das eigentliche Wesen solcher Arrangements
nachvollziehen können. Was bei platter Draufschau per se nach
Ausbeutung riecht, ist in der Realität sehr oft ein tragfähiges und
anständig gestaltetes Win-Win-Unternehmen für alle Beteiligten,
für "Pflegling", Pflegende und oft ganze Familienstrukturen
dahinter, die davon profitieren. Oder wissen alle nur noch nicht,
dass sie ausgebeutet werden?

Wer für sich selbst
über Lebensabendmodelle nachdenkt und bei der NDR-Doku nachdenklich
geworden ist, dem kann ich nur empfehlen: Einfach mal Thailand
bereisen, Eindrücke und Fühlung tanken, per Billigflug mit Bangkok-Air
oder Air Asia nach Chiang Mai hüpfen und Woodtli besuchen. Aber unbedingt
vorher ihn anrufen. Denn die deutschen Moralhoheiten haben den guten
Thai-Schweizer wohl ein wenig mürbe gemacht. Jedenfalls empfängt er
Besucher nur noch nach Anhörung der Besuchsmotive... und verlangt dann
Besuchereintritt. Aber nunja, so viel sollte uns die Chance auf fundierte
Information schon wert sein. In vielfacher Hinsicht teurer
kommen könnte jedenfalls der Lebensabend mit zeitsparender Magensonde.



Toller Kommentar, besonders die Empfehlung, Thailand einmal selbst
einmal zu bereisen, was ich Anfang März definitiv tuen werde. Vielleicht
geb ich dann meinen Senf auch dazu.
Mick  - re: re: Gratulation...   |79.235.148.xxx |2012-02-28 13:40:43
Toller Kommentar, besonders die Empfehlung, Thailand einmal selbst einmal zu
bereisen, was ich Anfang März definitiv tuen werde. Vielleicht geb ich dann
meinen Senf auch dazu.[/quote]

Danke fürs Kurz-Echo.

Anfang März? Na, dann
sehen wir uns vielleicht ;-)

Reiche Erfahrungsernte wünscht Mick

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