Koordinationsstörungen bei Kindern besser behandeln Drucken E-Mail
Sonntag, 13 Juli 2008
Stuttgart - Wenn sich Schulkinder ihre Schuhe nicht selbst binden können oder das Schließen eines Reißverschlusses zum Problem wird, liegt mitunter eine Koordinationsstörung vor. In solchen Fällen ist ergotherapeutische Hilfe dringend notwendig, damit Kinder Schule und Alltag meistern können. Das Buch "Ergotherapie bei Kindern mit Koordinationsstörungen – der CO-OP-Ansatz" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) informiert über einen Therapieansatz, der in Kanada erfolgreich eingesetzt wird. CO-OP steht für "Cognitive Orientation to daily Occupational Performance". Kinder mit leichten Motorik- und Lernproblemen, setzten sich gedanklich mit ihren Schwierigkeiten auseinander und entwickeln eigene Strategien zur Lösung ihrer Probleme. Die Therapiedauer verringert sich dadurch im Vergleich zu anderen Methoden um die Hälfte.


Im Leben eines Kindes bringt jeder Tag etwas Neues, das kennengelernt, geübt und gemeistert werden möchte. Einigen Kindern fällt das leicht, anderen hingegen schwer: Während sie sich immer noch bemühen überhaupt auf das Fahrrad zu kommen, sind ihre Freunde längst davon geradelt. Mitunter lernen diese Kinder so schwer, dass sie entweder übermäßig viel Zeit für neue Lernversuche verwenden oder gleich aufgeben. Das führt oft dazu, dass Altersgenossen sie ausgrenzen und sie den Anschluss verlieren. Die Lust Neues auszuprobieren sinkt zunehmend. Das wirkt sich wiederum nachteilig auf ihre weitere Entwicklung aus.

Der CO-OP Ansatz

"Kognitive Orientierung bei der alltäglichen Betätigungs-ausführung" lautet die wörtliche Übersetzung von CO-OP. Die Kinder setzen sich gemeinsam mit ihrem Therapeuten mit den Schwierigkeiten auseinander und entwickeln Strategien, die ihre motorischen Fähigkeiten fördern. Der CO-OP-Ansatz wird seit den 1990er Jahren in Kanada erfolgreich angewendet. Der Vergleich verschiedener Ansätze zeigt, dass Therapien, die sich ausschließlich auf die Steuerung und Kontrolle von Bewegungen konzentrieren zwischen sechs und 12 Monaten dauern. Mit CO-OP benötigen die Therapeuten mitunter nur etwa drei Monate.

Ein Beispiel aus der Praxis

Der sechsjährige Matthew geht in die erste Klasse der Grundschule. Er hat erhebliche feinmotorische Störungen: Er kann keinen Reißverschluss schließen und auch das Schuhebinden bereitet ihm erhebliche Probleme. In der Therapie lernt er die Aktion in einzelne Schritte zu unterteilen, einen Plan zu entwickeln und sein Vorgehen in eigenen Worten zu beschreiben. Mit der Therapeutin identifiziert er Fehler, die das Schuhbinden für ihn zum Problem machen.

Das Buch "Ergotherapie bei Kindern mit Koordinationsstörungen - der CO-OP-Ansatz" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) richtet sich an praktisch tätige Ergotherapeuten und interessierte Eltern. Die Autorinnen informieren über theoretische Grundlagen und stellen zahlreiche Fallbeispiele vor. Die beigelegte CD ROM enthält Zusatzmaterial für die Therapie.

Quelle: Georg Thieme Verlag

Hwelt

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