Weniger Pflegepersonal als bisher angenommen Drucken E-Mail
Freitag, 20 Januar 2012
Berlin - Es gibt in Deutschland deutlich weniger Pflegepersonal als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die am 18.01.2012 in Berlin vom Deutschen Pflegerat vorgestellt wurde. Während die Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes für 2009 insgesamt ca. 1,5 Mio. Beschäftigte in Pflegeberufen ausweist, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl lediglich bei ca. 1,2 Mio. lag.


Die Angaben der Gesundheitspersonalrechnung basieren zu einem wesentlichen Teil auf der Hochrechnung von Daten des Mikrozensus, einer 1 %-Haushaltsstichprobe. Dieses Vorgehen sei zu ungenau und führe offenbar zu einer Überschätzung des tatsächlichen Personalbestandes insgesamt um ca. 25 %, so der Autor der Studie, Professor Michael Simon von der Fachhochschule Hannover. Bei der Zahl der dreijährig ausgebildeten Pflegefachkräfte liege das Statistische Bundesamt sogar um fast 50 % über dem tatsächlichen Wert. In seiner Studie hat Simon die Daten amtlicher Teilstatistiken analysiert, die deutlich zuverlässigere Angaben enthalten, da sie auf Vollerhebungen aller Einrichtungen basieren.

Die Analyse der Daten amtlicher Statistiken ergab zudem, dass es 1999-2009 zwar einen Beschäftigungszuwachs in der Pflege gab, dieser aber vor allem auf eine starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. Während die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen um ca. 200.000 oder 23 % stieg, nahm die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 210.000 oder 60 % zu. Mittlerweile sind mehr als 50 % aller Pflegekräfte nur teilzeitbeschäftigt.

Der starke Anstieg der Teilzeitbeschäftigung in der Pflege ist laut Studie nicht primär auf familiäre Gründe der Pflegekräfte zurückzuführen. Hauptgrund sei vielmehr, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen frei werdende Stellen in den letzten Jahren zunehmend nur noch als Teilzeitstellen ausschreiben. So kann Personal flexibler eingesetzt und können Personalkosten gespart werden. Zudem führt die gestiegene Arbeitsbelastung in Krankenhäusern offenbar dazu, dass zunehmend mehr Pflegekräfte ihre Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen reduzieren.

Die Studie „Beschäftigte und Beschäftigungsstrukturen in Pflegeberufen – Eine Analyse der Jahre 1999 bis 2009“ steht zum Download bereit unter www.deutscher- pflegerat.de (Rubrik: Aktuelles).

Quelle: Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)

Hwelt

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