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Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen ist eine Elternselbsthilfeorganisation für ALLE. Dabei haben wir nicht nur verschiedene Formen und Ausmaße von Behinderung, sondern auch die kulturelle Vielfalt der Menschen im Blick. „In unseren Gruppen gibt es keine Migrantenfamilien, obwohl viele Kinder die Förderschulen (für körper- oder geistige Behinderung) besuchen. Kontakte zu Eltern gibt es nur minimal“, schrieb uns eine Vertreterin aus einem unserer Ortsvereine, in denen sich Eltern und Angehörige von behinderten Kindern zusammengeschlossen haben.
Diese Erfahrung machen viele (Eltern-)Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Vereine. Zwar steigt die Zahl der behinderten Kinder mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen der Behindertenhilfe an; in einigen Regionen stellen sie sogar fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Frühfördereinrichtungen, Kindergärten und Schulen. Jedoch wird die Kooperation zwischen Familien mit Migrationshintergrund und den Einrichtungen generell als eher schwierig angesehen. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund erhalten später und seltener Fördermaßnahmen als andere Kinder, Erwachsene mit Migrationshintergrund sind seltener in Wohnangeboten und Werkstätten zu finden, Eltern mit Migrationshintergrund nutzen weniger die Beratungs- und Selbsthilfeangebote als andere Eltern. Gründe können sowohl auf der Seite der Familie als auch auf Anbieterseite vermutet werden. Die aufgrund von Sprachschwierigkeiten entstehenden Kommunikationsprobleme behindern oft die Kooperation und den Beziehungsaufbau zu Familien mit Migrationshintergrund.
Entwicklung von Angeboten
Der bvkm hat das Ziel, Menschen mit Behinderung und speziell den Eltern die Angebote der Elternselbsthilfeorganisationen nahe zu bringen und sie für die Nutzung dieser wichtigen Kontakte und für eine Mitarbeit in den regionalen Selbsthilfegruppen zu gewinnen. Es gilt, Erstkontakte herzustellen, aus denen sich ein Netz aus kontinuierlichen Begegnungen, Austausch und Aktivitäten spinnen kann. Daraus erwächst die Chance, dass die Familien Unterstützung in Bezug auf Fördermöglichkeiten, medizinischen Angelegenheiten oder z.B. bei Behördengängen erhalten.
Mit dem Projekt sollen kultursensible Konzepte zur Zusammenarbeit von und mit Familien mit Migrationshintergrund entwickelt und erprobt werden. Es sollen regionale Elterngruppen initiiert werden, in denen die teilnehmenden Familien mit Migrationshintergrund und einem behinderten Kind sich treffen und sich mittel- bis langfristig mit von ihnen selbst gewählten Themen und Fragestellungen aus allen Bereichen, die sich aus dem Zusammenleben mit einem behinderten Kind ergeben, beschäftigen.
Erprobungsphase
Im Jahre 2011 begann der bvkm zunächst mit Partnern vor Ort an vier Standorten ein Pilotprojekt. Unterschiedliche regionale Gegebenheiten (Stadt – Land), verschiedene Altersgruppen (Frühförderalter – Schulkinder), unterschiedliche kulturelle Hintergründe und auch Begegnungen von Menschen/Familien mit und ohne Migrationshintergrund finden hierbei Berücksichtigung. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden für die Arbeit vor Ort unterstützt und fachlich begleitet. Wer sich vorstellen kann, im längerfristigen Projekt mitzuwirken, ist herzlich eingeladen, uns so bald wie möglich Interesse zu signalisieren.
Quelle: Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.
Hwelt
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