Erste blinde und sehbehinderte Tontechniker starten Ausbildung Drucken E-Mail
Freitag, 23 September 2011
Pilotprojekt der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte „Das Schwierigste ist, den Gesang und die Band so aufeinander abzustimmen, dass ein harmonischer Gesamtklang entsteht“, so Tobias Fechner, der mit Kopfhörern vor Laptop und Mischpult sitzt. Er hat die spannende Aufgabe, die Aufnahmen einer Rockband so abzumischen, dass der Hörer am Ende tatsächlich von Genuss statt von Krach sprechen kann. Und das ist noch nicht einmal die einzige Herausforderung: Fechner ist blind, er verlässt sich deshalb bei dieser Tätigkeit nicht nur auf die Studiotechnik und seine blindentechnischen Hilfsmittel, sondern vor allem auf sein Gehör.


Dass dies kein Nachteil sein muss, erläutert Franz-Josef Esch, Vorstand der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte: „Durch ihre Konzentration auf akustische Signale besitzen gerade Blinde einen stark ausgeprägten Hörsinn. Dieser qualifiziert sie in besonderer Weise für eine Tätigkeit im Bereich Aufnahmetechnik / Digitale Nachbearbeitung ‚Ton‘.“ Die Stiftung hat im September zusammen mit der Europäischen Medien- und Eventakademie (EurAka) in Baden-Baden ein Pilotprojekt gestartet, bei dem zwei sehgeschädigte Schüler in die bestehende Ausbildung zur „Fachkraft für Audiotechnik“ integriert werden. Ausbildungsleiter Peter Schwinn von der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, der das Projekt konzipiert und von Anfang an mitbetreut hat, freut sich über die gelungene Kooperation mit der EurAka.

Im Vordergrund des neuen Projektes steht das Ziel, die Auszubildenden auf eine selbstständige Berufstätigkeit vorzubereiten. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der EurAka die Vermittlung der Ausbildungsinhalte auf die Bedürfnisse der sehgeschädigten Schüler angepasst und ein stärkerer Fokus auf die mündliche Vermittlung der Ausbildungsinhalte gelegt. „Das Ausbildungsprojekt leistet auch einen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenkonvention“, erklärt Harald Prieß, Schulleiter der Berufsfachschule für Audiotechnik an der EurAka.

Auf dem heutigen Stand der EDV-Hilfsmittel für Sehgeschädigte können Blinde und Sehbehinderte inzwischen Jobs ausüben, die früher kaum denkbar waren. Die guten Erfahrungen der Stiftung zeigen, dass blinde und sehbehinderte Menschen sowohl für Arbeitgeber als auch für Kollegen eine Bereicherung darstellen. Dies vermitteln auch die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus den anderen beruflichen Qualifizierungsprojekten der Stiftung, wie beispielsweise der Weiterbildung zum Online-Journalisten oder der Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI).

Die 1837 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründete Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte rehabilitiert und integriert blinde und sehbehinderte Menschen und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben. Heute präsentiert sich die Stiftung als modernes Zentrum mit deutschlandweit einmaligen Ausbildungsangeboten. Dazu tragen ein günstiges Wohnraum- sowie ein breites Ausbildungs- und Freizeitangebot bei. Mit den Projekten „Werkstatt-Galerie 37“ und „Musik Werkstatt“ fördert die Stiftung sowohl Kreativität als auch die persönliche Selbständigkeit von Blinden und Sehbehinderten. Weitreichende Kontakte zu Ausbildungspartnern und Vereinen eröffnen Betroffenen vielseitige Chancen.

Weitere Information: www.sbs-frankfurt.de

Quelle: Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte

Hwelt

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