Mitarbeitergesundheit in der Behindertenhilfe Drucken E-Mail
Montag, 12 September 2011
Vollen Einsatz für ihre Mitarbeiter zeigen die vier Einrichtungen der Behindertenhilfe, die jetzt den BGW-Gesundheitspreis 2011 erhalten haben. Sie setzen Maßstäbe in Sachen Gesundheit am Arbeitsplatz und können so mit engagierten Mitarbeitern zugleich Impulse für die Betreuten geben. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) stellte die Einrichtungen bei der Preisverleihung auf ihrem Fachkongress BGW forum 2011 vor.


Beim Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe - so das Thema des gestern zu Ende gegangenen BGW forums 2011 - geht es nicht nur um die Arbeitssituation und Gesundheit der Betreuerinnen und Betreuer, Pädagogen, Therapeuten, Leitungs- und Servicekräfte. Auch die Bedingungen für die Betreuten sind eng damit verknüpft. In besonderer Weise gilt das für die beschäftigten Menschen mit Behinderungen in Werkstätten und Integrationsbetrieben, deren Gesundheitsschutz im betrieblichen Alltag ebenfalls sichergestellt sein muss. Die vier Preisträger des BGW-Gesundheitspreises 2011 haben kreative und gut durchdachte Lösungen entwickelt, die auch anderen Einrichtungen als Vorbild dienen können.

Der 1. Preis wurde gleich zweimal vergeben: an das Wohnhaus Villa Gauhe der Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft (CBT) in Eitorf nahe Bonn und an das Evangelische Johannesstift Behindertenhilfe gGmbH in Berlin. Systematisches Gesundheitsmanagement

In den vier Wohnhäusern für Menschen mit geistiger Behinderung der Villa Gauhe sorgt ein systematisches Gesundheitsmanagement unter dem Namen "WoGe" (Wohlbefinden und Gesundheit) dafür, dass Arbeit letztlich sogar zu einer Ressource für die Gesundheit werden kann. Neben einer WoGe-Begleiterin spielen vor allem die Führungskräfte eine zentrale Rolle bei der Gesundheitsförderung. Wertschätzung, Partizipation und der Abbau von Belastungen sind selbstverständlich. Bei allen Besprechungen im Haus steht die Gesundheit auf der Tagesordnung. Aktueller Arbeitsschwerpunkt ist das Thema "Gesund älter werden im Beruf".

Das Evangelische Johannesstift Behindertenhilfe gGmbH setzt beim Aufbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements gezielt auf die Beteiligung der knapp 500 Mitarbeitenden. Jährliche Ziele werden in einer Balanced Scorecard verankert. Dabei soll ein Rahmen geschaffen werden, in dem jeder Einzelne sich mit der eigenen Gesundheit auseinandersetzen kann. Besonders positiv ist der Jury neben der gelebten Mitarbeiterorientierung und vielen weiteren Bausteinen aufgefallen, dass speziell auch psycho-soziale Belastungen in den verschiedenen Einrichtungen der Stiftung erfasst und bearbeitet werden.

Auch der zweite Preis ging an zwei Unternehmen, die mit ihren Konzepten gleichermaßen überzeugen konnten: die Halleschen Behindertenwerkstätten e.V. in Halle/Saale und die Integrative Kindertagesstätte "Käferland" des AWO-Kreisverbands Ilm-Kreis e.V. in Arnstadt.

Arbeitsschutz als ganzheitliche Managementaufgabe

Die Halleschen Werkstätten verstehen Arbeitsschutz als eine ganzheitliche Managementaufgabe. Vielfältige Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Bildungsprojekte, flache Strukturen und ein mit allen Mitarbeitern erarbeitetes Leitbild tragen zum positiven Gesamteindruck bei. Insgesamt ist beispielhaft, wie darauf hingewirkt wird, dass die Kompetenzen der Mitarbeiter und der betreuten Beschäftigten stets den Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes entsprechen.

Im "Käferland" in Arnstadt, am Fuße des Thüringer Waldes, werden unter 180 Jungen und Mädchen auch 40 integrative Kinder betreut und individuell gefördert. Die Präventionsstrategie der Tagesstätte orientiert sich sowohl an den Mitarbeiterinnen als auch an den Betreuten. Das Konzept mit offenen und altersgemischten Gruppen wird durch ein offenes Raumkonzept ergänzt, das an den Kindern ausgerichtet ist und dennoch der Mitarbeiterorientierung Rechnung trägt: ein reduzierter Geräusch- und damit Stresspegel ist das Ergebnis. Hinzu kommen unter anderem eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und eine mitarbeiterfreundliche Personalpolitik.

Alle vier Gewinner des BGW-Gesundheitspreises setzen sich engagiert für die Mitarbeitergesundheit ein und zeigen, wie sich individuelle Lösungen für ganz verschiedene Einrichtungen aufbauen lassen. Mit dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 45.000 Euro werden Gesundheitsprojekte der Preisträger finanziell gefördert.

Fachkongress zum Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe

Die Preisverleihung erfolgte zum Abschluss des BGW forums 2011. Vom 5. bis 7. September erkundeten mehr als 1.200 Führungskräfte, Mitarbeitende und Arbeitsschutzexperten in rund 130 Einzelveranstaltungen aktuelle Herausforderungen und praxisnahe Handlungshilfen für den Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe.

Quelle: BGW – Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

Hwelt

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