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Ein Raum voll Unnützem, Wertlosem, vor sich hin gammelndem Ungewolltem, das niemand mehr braucht, niemand mehr will, das sinnlos, überflüssig ist. Sinnlos wie dieser Raum, der nur dafür da ist, etwas aufzubewahren, was für die Katz ist, ein Raum, den keiner braucht, der Arbeit und Material bindet, die anderweitig zweckmäßig eingesetzt werden könnten. Besser wäre es, einfach alles komplett zu verbrennen. Damit sich kein falsches Bild in den Köpfen der Leserschaft festsetzt, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass hier keineswegs von einem Speicher voller altem Hausrat die Rede ist. Der würde zwar auch stinken, der Anblick wäre ebenfalls traurig, aber wenigstens nicht so hoffnungslos wie das Bild, welches sich dem Betrachter hier darbietet, da für alte Kommoden, antike Wagenräder und Konsorten immer noch die Chance besteht, dass irgendwann doch noch jemand kommt, der sie doch noch haben will, sie abschleift und neu anpinselt. Diese Hoffnung gibt es hier nicht, denn hier reden wir von einem Altenheim, dem Ort, wohin man unnützes, weil zu altes, Leben abschiebt.
Menschliches Leben, wohlgemerkt, denn würde man so mit einem Haustier verfahren, stünde schnell der Tierschutzbund auf der Matte und würde sich empören, dass "die armen Seelen", die "Stubentiger" und "Samtpfoten" und die "treuesten Freunde des Menschen" hier nicht die geringste Bewegungsfreiheit, keinerlei Anregungen, nur Langeweile hätten, kurzum: das die Haltung nicht artgerecht sei. Mutige Tierbefreier kämen mit Zangen und Brechstangen daher, tierliebe Gutmenschen mit Vermittlungs-Angeboten, auf dass die lieben Purzels wieder durch die Gegend tollen könnten. Gut, seien wir ehrlich. Hier, im Altenheim, wäre diese "artgerechte Haltung" fehl am Platz. Bewegen, zumindest im Sinne von "sich rühren", kann sich hier eh' keiner mehr, geistige Anregungen sind an erloschenen Geistern eher verschwendet und Langeweile... nunja: langweilig sind *die* erst recht, da sollen die sich nicht beschweren.
Am besten wäre es wohl wirklich, alle hier einzuschläfern, barmherziger wäre es allemal. Doch nein: Das kann, aus mir völlig unerklärlichen Gründen, "man ja nicht machen", das wäre "unmenschlich", kurzum: echt nicht okay. Einem allgemeinen Konsens zufolge schläfert man Menschen nicht ein - und dem kann ich ich mich ja durchaus anschließen, solange diese Menschen noch zu etwas nütze sind. (Über die Frage, ob Menschen überhaupt, so prinzipiell, zu etwas gut sind, lässt sich sicherlich streiten.) -, zumindest nicht, solange sie nicht selbst eingeschläfert werden wollen. Und wollen sie das, gibt es immer noch Leute - Katholiken etwa -, die selbst dagegen sind. Die Einsicht, dass das eigene Leben keinen weiteren Vorteil für die Mitmenschen hat, dass es im Gegenteil die Gesellschaft nur behindert, kommt den meisten Menschen leider erst, wenn auch die stärksten Drogen nicht mehr gegen die Schmerzen einer chronischen Krankheit helfen. Stattdessen werden 80jährigen noch Hüftprothesen eingesetzt, ein Missstand, den Philip Mißfelder (Junge Union) ja schon vor Jahren, völlig zu recht, anprangerte.
Künstliche Hüftgelenke - bevor man so etwas einem Haustier einsetzen ließe, ließe man es eher einschläfern. Zumindest als normaler Mensch, mittlerweile gibt es sogar Leute, die ihre Hunde einer solchen Operation unterziehen. Was so weit sogar okay ist, denn bei Tieren zahlt das wenigstens nicht die Krankenkasse.
Rein biologisch gesehen, ist der Mensch eher auf vierzig Lebensjahre ausgelegt, wobei es schon immer Ausnahmen gegeben hat, die auch mit achtzig noch durch die Gegend hüpften wie ein junger Morgen. Wogegen auch nichts einzuwenden ist. Heutzutage jedoch vegetieren Leute leicht mal an die Hundert heran, werden künstlich am Leben gehalten, obwohl ihr Haltbarkeitsdatum bereits seit langem überschritten ist. Ich meine, wenn ich im Kühlschrank eine Leberwurst finde, die bis 2004 haltbar war, dann schmeiße ich die doch auch weg, vor allem, wenn sie deutliche Zeichen des Verfalls aufweist, beispielsweise bereits grün ist, das gebietet doch alleine schon die Vernunft.
Gut; dass ein Mensch nicht eingeschläfert werden will, verstehe ich ja, aber sein Umfeld sollte es doch wirklich besser wissen. Es mag ja Zeiten gegeben haben, in denen es sinnvoll war, die Alten aufzubewahren, etwa, weil ihre Erfahrung, ihre Lebensweisheit von Wert war. Wovon heutzutage keine Rede mehr sein kann. Was ein heute 80jähriger weiß, weiß ich entweder besser oder es ist irrelevant ("Hier in der Nähe war früher mal der Pferdeschlachter, da hinten, in dies gekachelte Haus an der Ecke."). Um es zusammenzufassen: Bei all' dem stimmt die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht, denn die paar Arbeitsplätze in der Altenpflege wiegen die Kosten nicht auf.
Man unterstelle mir an dieser Stelle bitte keine geldfixierte Gefühlskälte, denn das meine ich durchaus nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten, sondern auch emotional! Auch für die Verwandten dürfte eine Einschläferung einfacher sein, für den Einzuschläfernden erst recht. So kann er wenigstens noch in aller Ruhe seine Angelegenheiten ordnen und ein paar ergreifende Abschiedsworte sprechen, die in Erinnerung bleiben, bevor er abgespritzt wird, wie man es unter den Nationalsozialisten, unter denen ja auch nicht alles schlecht war, nannte.
Irgendwer hat einmal den Begriff "sozialverträgliches Frühableben" geprägt; ein solches konkret festzulegen fände ich wünschenswert. Es wird ja auch jedes Embryo abgetrieben, das der werdenden Mutter nicht in den Kram passt. Zumindest wünsche ich mir, dass das Problembewusstsein allgemein größer würde, was den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Senioren entsteht, angeht. Es weiß ja nicht jeder, wann seine Zeit vorbei ist, und es zieht ja auch nicht jeder aus diesem Wissen die nötigen Konsequenzen, so wie Sid Vicious und Kurt Cobain es taten.
Die schlaueren der Steinzeitstämme wussten schon, warum sie ihre Alten, die zur Last geworden waren, einfach zurückließen, wenn sie weiterzogen. Natürliche Auslese nennt man das. Doch heutzutage kann man so etwas natürlich nicht mehr machen, weil man mittlerweile sesshaft geworden ist, deshalb sollte man sich endlich mal etwas anderes ausdenken, anstatt weiterhin enorme Ressourcen in eine Sache zu pumpen, die keine Zukunft hat. Baute man doch stattdessen Kinderkrippen! Kinder sind die Zukunft, *das* ist etwas, in das zu investieren sich lohnt.
Ehrlich gesagt, könnte ich kotzen, wenn ich sehe, wie hier aus falscher Rücksichtnahme die Zukunft unseres Volkes einfach verschleudert wird. Man schaue sich doch nur einmal die Jugend von heute an, so verkorkst wie die ist, besteht da doch dringender Handlungsbedarf.
Krippen statt Altenheime, zumal wir doch alle wissen, dass in Deutschland "die falschen Frauen die Kinder bekommen" (Daniel Bahr, FDP): Prekariats-Schlampen, die in einer Mischung aus Langeweile - weil sie nicht arbeiten - und Alkoholismus - weil sie nicht arbeiten - ihrer Libido freie Läufigkeit lassen, dann werfen wie am Stück, nur um anschließend mit der Erziehung vollkommen überfordert zu sein. So werden lauter "Kleine Kevins" produziert, die irgendwann in der Kühltruhe landen, was recht peinlich wirkt, wenn die Feldjäger, die kommen, weil Kevin mittlerweile 18 geworden wäre und zur Musterung hätte erscheinen müssen, es dort finden; ein armer Mitarbeiter des Jugendamtes muss den Schlamassel dann ausbaden, und alle sind tief betroffen.
Gekürzter Artikel, Erstveröffentlichung: Plastic Bomb Nr. 61 Autor: Chris Scholz Hwelt
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