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Berlin - Mit den Marathonrennen gingen am Sonntag im neuseeländischen Christchurch die IPC-Weltmeisterschaften in der Leichtathletik zu Ende. Ohne deutsche Beteiligung, dafür aber mit einem handfesten Skandal, da der Veranstalter entgegen allen Absprachen keinen abgesperrten Kurs zur Verfügung stellen konnte, und sich daraufhin einige Athleten und Athletinnen weigerten an den Start zu gehen. Insbesondere für die Briten und Kanadier erschien ein Start verständlicherweise zu gefährlich zu sein, und so starteten dann letztendlich beispielsweise nur 4 Frauen im abschließenden Rollstuhl-Marathon.
Damit fanden die Weltmeisterschaften nach offiziell 202 Wettbewerben ihren Abschluss und es kann Bilanz gezogen werden, besonders im Hinblick auf die Paralympics von London 2012, in gut eineinhalb Jahren.
Aus Berliner Sicht waren die Ergebnisse mit 2 mal Gold für Marianne Buggenhagen, den Silbermedaillen für Matthias Schröder und Guide Tobias Schneider sowie den beiden Bronzenen für Thomas Ulbricht und Niels Stein mehr als erfreulich und bedeuten A-Kaderstatus für alle fünf Aktive. Dass sich Katrin Müller-Rottgardt im Weitsprung auch noch den B-Kaderstatus sicherte erfreut umso mehr, bedeutet dies doch eine optimale Ausbeute im Hinblick auf eine optimale Förderung in den nächsten beiden Jahren am paralympischen Trainingsstützpunkt in Berlin. Und dass mit Niels Stein der mit Abstand jüngste männliche Aktive im Team eine Medaille holte, spricht für die exzellente Nachwuchsarbeit vor Ort.
Bleibt zu hoffen, dass zukünftig alle Berliner Stützpunkttrainer in die Wettkampfplanung und –betreuung innerhalb der Nationalmannschaft mit einbezogen werden, und sich die Lehrgangsmöglichkeiten nicht weiter verschlechtern. In 2010 konnte hier Dank der Unterstützung der „Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde“ ein Trainingslager auf Lanzarote als unmittelbare Vorbereitung für die WM ermöglicht werden, wovon alle Berliner Aktiven hochgradig profitierten und sich unter optimalen klimatischen Bedingungen auf ihre Wettkämpfe vorbereiten konnten.
Aus deutscher Sicht bedeuten jeweils acht Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, also insgesamt 24 Medaillen, Platz 9 im Medaillenspiegel. Damit liegt man im Vergleich zu 32 Medaillen bei der vorherigen WM im niederländischen Assen 2006 deutlich zurück und auch im Vergleich zu den Paralympics in Peking 2008, wo es bekanntermaßen über 40 Medaillenevents weniger gibt als bei einer WM, verschlechtert man sich um einen Platz in der Gesamtwertung.
International haben sich vor allem die „paralympicsveranstaltenden“ Nationen enorm verbessert. So rangiert Russland jetzt im Ranking auf Platz 2 (in Peking noch 13.), Brasilien auf Platz 3 (vom 10. kommend) und Großbritannien auf Platz 4 (sie waren in Peking noch enttäuschende 18.). Überraschend erfolgreich waren Polen auf Platz 5 und die Ukraine auf Platz 8. Dagegen sind Australien und Kanada, sowie Kenia und Tunesien aus den einstelligen Top-Plätzen herausgefallen.
Allerdings gilt es hier die Größe der Teams zu berücksichtigen. Die erfolgreichste Nation China stellte mit 42 Aktiven das größte Teilnehmerkontingent, hatte damit aber nur halb so viele Aktive wie noch in Peking 2008 am Start und musste eine Einbuße von 20 Medaillen hinnehmen. Deutschland schickte im Vergleich zu den führenden Nationen mit 34 Startern eine sehr große Mannschaft nach Neuseeland. Großbritannien, Brasilien, Polen, Ukraine, Frankreich und Südafrika traten dagegen mit halb so großen Teams an, schickten also ausnahmslos Medaillenkandidaten nach Übersee. Am extremsten war hier sicher Kuba, das mit nur 3 Aktiven 6 Goldmedaillen einstrich und damit 15. im Ranking wurde.
Für die Paralympics in London 2012 kann man speziell aus Kuba, aber auch aus anderen Nationen größere und leistungsstärkere Teams als bei dieser WM in Neuseeland erwarten. Dann werden auch wieder Teilnehmer an den Start gehen, deren Länder sich die Kosten für eine Reise nach Neuseeland nicht leisten können, wie beispielsweise Nigeria.
Spannend wird jetzt die Frage sein, welche Disziplinen (insgesamt werden es circa 40 sein!) für London gestrichen werden und in wieweit Deutschland davon betroffen sein wird. Insbesondere in den deutschen Medaillendisziplinen waren teilweise nur 5 bis 7 Teilnehmer am Start. Hier gilt nun das Prinzip Hoffnung…
Quelle: BSB / Reinhard Tank / Dr. Ralf Otto
Hwelt
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