Jeder altert anders Drucken E-Mail
Dienstag, 07 Dezember 2010
Längst nicht bei allen über 50-Jährigen schwinden geistige Gaben wie Aufmerksamkeit und Merkvermögen. Forscher sehen den Grund für individuell verschiedene Altersverläufe im Wechselspiel von Genen und Lebenstil.


In keinem anderen Lebensabschnitt sind die Unterschiede der geistigen Leistungsfähigkeit so groß wie im Alter. Heute stehen deshalb individuelle Alternsverläufe zunehmend im Blickpunkt von Forschern, erklärt das Wissenschaftsmagazin Gehirn&Geist in seiner aktuellen Ausgabe (12/2010). Ein viel versprechender Weg besteht darin, zu prüfen, ob und wie Unterschiede im Verhalten und in der kognitiven Leistung einzelner Personen mit bestimmten Hinrprozessen zusammenhängen. Bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) machen sichtbar, welche Regionen unseres Denkorgans beim Lösen einer Aufgabe vermehrt aktiv werden.

In einer 2009 veröffentlichten Studie konnte Forscher am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin mithilfe dieser Methode zeigen, dass das individuelle Leistungsvermögen im Alter mit Kennzeichen der Hirnaktivierung zusammenhängt. In einem Experiment bearbeiteten junge und ältere Erwachsene eine Aufgabe, die das räumliche Arbeitsgedächtnis beansprucht. Die hierbei auftretende Hirnaktivität passt sich bei jüngeren Erwachsenen in der Regel der Testschwierigkeit an: Kniffligere Aufgaben bedeuten auch neuronal gesehen größeren Aufwand – jedenfalls im Durchschnitt. Vor allem Senioren mit schwachen Leistungen zeigten jedoch auch bei schwierigen Tests kaum vermehrte Hirnaktivität. Diese schlechtere Anpassung ging mit geringerer Leistung einher.

Wann genau diese Prozesse der Hirnalterung einsetzen und wie sie verlaufen, hängt unter anderem von genetischen Faktoren ab. Das lässt sich am Beispiel des Botenstoffs Dopamin belegen, der für viele komplexe kognitive Funktionen wichtig ist. Das Enzym Catechol-O-Methyltransferase (kurz: COMT) bestimmt maßgeblich über die im Gehirn vorhandene Dopaminmenge. Jener Erbfaktor, welcher den genetischen Bauplan für COMT enthält, tritt hierbei in verschiedenen Varianten auf, wodurch entweder die besonders aktive Val-Variante entsteht oder die weniger aktive Met-Form. Letztere führt im Schnitt über einem erhöhten Dopaminspiegel, weil in den Hirnzellen weniger Transmitter abgebaut wird; der erstgenannte Fall geht mit weniger verfügbarem Dopamin einher.

Das hat Auswirkungen auf die geistige Frische: In einer Studie von 2008 absolvierten jüngere und ältere Probanden einen Gedächtnistest. Per vorherigem DNA-Test stellten die Forscher zudem den COMT-Genotyp jedes Teilnehmers fest. Ältere Erwachsene (nicht aber die jüngeren!) schnitten je nach Verfügbarkeit von Dopamin unterschiedlich gut ab: je mehr Botenstoff, desto besser die Leistungsfähigkeit.

Einige Grundsätze gilt es für erfolgreiches Altern zu beherzigen: regelmäßige Bewegung, geistige Beschäftigung und ein reges Sozialleben. In einer 2009 erschienenen Überblicksarbeit sichtete der Psychologe Christopher Hertzog vom Georgia Institute of Technology gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Deutschland die Studienlage. Das wichtigste Fazit: Der Intellekt älterer Menschen lässt bei geistig und körperlich aktivem Lebenswandel durchschnittlich weniger nach.

Unterm Strich bleibt also für jeden von uns ein gewisser Spielraum, die Art, wie wir altern, aktiv zu gestalten: Ein abwechslungsreicher, anregender Lebenswandel bietet gute Gewähr für lang anhaltende geistige Fitness.

Quelle: Gehirn&Geist

Hwelt

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