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Berlin - Der Behinderten-Sportverband Berlin (BSB) nimmt am EU-Förderprogramm „Grundtvig-Assistenten“ teil. Im Rahmen dieses Programms ist die Rumänin Simona Gitu vom 1. August 2010 bis Juni 2011 im Bereich Übungsleiterausbildung als EU-Assistentin tätig. In einem Gespräch mit Simona Gitu und Stefan Schenck, der als Beauftragter für Menschen mit geistiger Behinderung Präsidiumsmitglied des BSB ist und diese EU-Förderung beantragt hat, stellen wir hier das Projekt vor.
Frage: Herr Schenck, der BSB wird seit August 2010 durch die EU gefördert, können Sie uns die Art der Förderung näher beschreiben?
Schenck: Genaugenommen wird nicht der BSB von der EU finanziell gefördert, sondern unsere EU-Assistentin. Das europäische Förderprogramm Grundtvig-Assistenten fördert den Austausch von Menschen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind durch die Übernahme ihrer Lebenshaltungskosten im Gastland.
Für den Bereich der Übungsleiterausbildung ist es dem Behinderten-Sportverband Berlin gelungen, Simona Gitu aus Rumänien als EU Assistentin zu engagieren. Das Wissen und die Arbeitskraft von Frau Gitu stehen dem BSB für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts von 45 Wochen kostenfrei zur Verfügung.
Frage: Frau Gitu, was hat Sie bewegt sich als EU-Assistentin beim BSB zu bewerben?
Gitu: Von anderen Kulturen durch einen intensiven Austausch zu lernen, hat mich immer schon fasziniert. Um sich weiterzuentwickeln reicht es heutzutage nicht mehr aus, sich nur auf seinem Fachgebiet stetig weiter zu bilden. Ein Aufenthalt in einem anderen EU Land bedeutet vielfältige Herausforderungen und Erfahrungen.
Der BSB bietet mir einen Einblick in ein völlig neues Feld der Erwachsenenbildung, nämlich in das Ausbildungsprogramm für Übungsleiter, die mit Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten. In Rumänien gibt es auf diesem Gebiet zurzeit noch keine vergleichbaren Aktivitäten.
Frage: In welche Branche waren Sie in Rumänien vor der Assistenz beim BSB tätig?
Gitu: Nach dem Masterstudium der Erwachsenenbildung in Lasi in Rumänien, habe ich zuerst in verschiedenen Unternehmen der freien Wirtschaft als Trainerin gearbeitet. Später, als ich für das Rumänische Institut für Bildung und Qualität tätig war, war ich mitverantwortlich für die Entwicklung und Implementierung von Qualitätsstandards für verschiedene Berufsfelder. In diesem Zusammenhang habe ich bereits vom fachlichen Austausch mit finnischen Kolleginnen und Kollegen profitiert.
Frage: Sie sprechen exzellent Englisch. Wie kommen Sie mit der deutschen Sprache voran?
Gitu: Ich bin der Geschäftsführung des BSB sehr dankbar, dass sie meine Aufnahme in das Team, nicht nur von meinen Deutschkenntnissen abhängig gemacht hat. Im Büroalltag sprechen wir zwar noch viel Englisch, aber inzwischen auch immer mehr Deutsch, denn der BSB ermöglichte mir den Besuch eines Sprachkurses.
Frage: Welche Aufgaben übernehmen Sie beim BSB?
Gitu: In den ersten Wochen habe ich viel über die Struktur und die Aufgaben des BSB gelernt. Neben meiner Unterstützung der allgemeinen Bürotätigkeit im BSB und der Projektarbeit mit Frau Wichmann, möchte ich durch die Vernetzung mit privaten und staatlichen Bildungsinstituten und Sportorganisationen in Rumänien, Projekte zwischen dem BSB und meiner Heimat anbahnen. Die Kooperationen sollen durch weitere EU Programme unterstützt und finanziert werden. Ich sehe ein großes Potenzial in dem Bereich Wissenstransfer im Reha-, Breiten- und Leistungssportbereich. Sport muss auch in Rumänien für alle Menschen, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, leicht zugänglich sein.
Frage: Herr Schenck, worin liegt der Vorteil der EU-Förderung für den BSB?
Schenck: Durch das Programm Grundtvig-Assistenten bekommt die eher regional ausgerichtete Organisation des BSB eine neue, eine europäische Dimension. In Richtung Rumänien, aber auch in Kooperation mit anderen EU-Staaten, sind deswegen bereits weitere EU-Projekte angedacht, z.B. durch einen Grundtvig-Workshop und sogenannte Lernpartnerschaften. Diese sind zudem zu 75% bis zu 100% durch die EU finanziert.
Frage: Können EU-Programme, wie EU-Grundtvig-Assistenten, auch von anderen Behindertensportverbänden in Anspruch genommen werden?
Schenck: Die Übungsleiterausbildung im Sport ist definitiv durch das Programm Grundtvig-Assistenten auch in anderen Landesverbänden abgedeckt. Die Europäische Union fördert zudem ausdrücklich Erwachsene mit besonderen Bildungsbedürfnissen. Menschen mit körperlichen und / oder geistiger Beeinträchtigung haben einen gleichberechtigten Anspruch auf Sportangebote in ihrer Wohnortnähe, die an ihre Bedürfnisse angepasst sind. Deutsche Behindertensportverbände haben in diesem Bereich bereits eine lange Tradition. Davon können andere Länder der EU profitieren, in dem sie einen EU-Assistenten nach Deutschland entsenden. Die deutschen Organisationen profitieren wiederum von den Kompetenzen des einzelnen Assistenten und von der Vernetzung mit dessen Heimatland.
Quelle: BSB / Reinhard Tank
Hwelt
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