Pflanzen für Blinde auf neue Weise sichtbar machen Drucken E-Mail
Dienstag, 14 September 2010
Beim Sommerfest der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte stand der neue Duft- und Tastgarten im Mittelpunkt. Blinde und sehbehinderte Menschen nehmen die Pflanzenwelt im Garten durch schnuppern und fühlen auf eine neue Weise wahr. Zusammen mit dem Berufsförderungswerk Frankfurt am Main (BFW) plante und gestaltete die Stiftung unterschiedliche Boden- und Hochbeete.


„Die Blinden und Sehbehinderten können künftig im Beet sitzen und die Pflanzen um sich herum berühren und wahrnehmen“, sagte Projektleiterin Waltraud Zajac, Ausbilderin im BFW Frankfurt. Jede Bank wird einem anderen Thema gewidmet. Die „Mediterrane-Bank“ soll inmitten mediterraner Gewächse, wie Rosmarin und Buchs stehen. Kräuter wie Salbei, Melisse und Minze werden die „Kräuterbank“ säumen. Rings um die „Berühr-mich“-Bank wachsen Pflanzen, die sich unterschiedlich anfühlen. Blinde und Sehbehinderte spüren dabei nicht nur die samtigen Blätter des Wollziests oder die weichen Blüten des Lampenputzergrases, sondern auch leichte „Pikse“ etwa von der Stacheldraht-Pflanze. Daneben vermitteln fleischige Pflanzen, wie der Dachwurzen, oder diverse Fetthennen mit ihren dicken Blättern unterschiedliche Pflanzenstrukturen.

Die Mieter der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte konnten sich an der Gestaltung des Gartens und der Auswahl der Pflanzen beteiligen. Drei der Mieter übernehmen die künftige Pflege der Beete und Pflanzen. Die 40- bis 60-jährigen gießen und beschneiden die Pflanzen und zupfen lästiges Unkraut. Die blinden und sehbehinderten Mieter freuen sich über ihren neuen „Hobbygarten“ und bringen schon einiges an Erfahrung in der Gartenarbeit mit.

Den Pflanzenplan für den 130 Quadratmeter großen Garten im Park der Stiftung erstellten Mitarbeiter und Qualifizierungsteilnehmer des BFW Frankfurt. Waltraud Zajac und acht angehende GärtnerInnen der Fachrichtung Zierpflanzenbau pflanzten rund 100 verschiedene Sträucher, Stauden und Zwiebelgewächse an. Finanziell unterstützt werde der Bau des Duft- und Tastgartens durch eine Spende der Rudolf und Anna Katharina Eichenauer-Stiftung der Stiftungsverwaltung der Frankfurter Sparkasse.

„Die Idee zum Duft- und Tastgarten für Blinde und Sehbehinderte reifte nach einem Rundgang durch die Gärtnerei des BFW Frankfurt“ sagte Franz-Josef Esch, Vorstand der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, und ergänzte: „Mir gefiel nicht nur die Gärtnerei mit ihren Pflanzen, mich hat die ganze Arbeit des BFW Frankfurt sehr angesprochen.“ Das BFW Frankfurt fördert die nachhaltige Integration von Menschen mit Be-hinderung in den Arbeitsmarkt. Dabei stehen sowohl die individuellen Bedürfnisse und Lebenslagen der Teilnehmer wie auch die Orientierung am aktuellen Arbeitsmarkt im Vor-dergrund.

Die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte kooperiert mit dem BFW Frankfurt in verschiedenen Bereichen der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen. Zusammen ermöglichen sie Blinden und Sehbehinderten in Hessen leichter ins Berufsleben zu starten oder wiedereinzutreten. Sie helfen und beraten Blinde und Sehbehinderte, die zum Beispiel durch die Erblindung ihren gelernten Beruf nicht mehr ausüben können. Dabei achten die Partner darauf, dass die Blinden und Sehbehinderten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Die 1837 von der Polytechnischen Gesellschaft gegründete Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte rehabilitiert und integriert blinde und sehbehinderte Menschen und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben. Heute präsentiert sich die Stiftung als modernes Zentrum mit deutschlandweit einmaligen Ausbildungsangeboten. Dazu tragen ein günstiges Wohnraum- sowie ein breites Ausbildungs- und Frei-zeitangebot bei. Mit den Projekten „Werkstatt-Galerie 37“ und „Musik Werkstatt“ fördert die Stiftung sowohl Kreativität als auch die persönliche Selbständigkeit von Blinden und Sehbehinderten. Weitreichende Kontakte zu Ausbildungspartnern und Vereinen eröffnen Betroffenen vielseitige Chancen.

Quelle: Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte

Hwelt

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