Arbeit in Demenz-WGs stresst weniger Drucken E-Mail
Freitag, 06 August 2010
MitarbeiterInnen von Pflege-Wohngemeinschaften für Demenzkranke sind psychisch deutlich weniger belastet als ihre KollegInnen in entsprechenden Wohnbereichen von Altenheimen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie an der Katholischen Fachhochschule Freiburg.


Zwischen April 2009 und Februar 2010 untersuchten Studierende der Bachelor-Studiengänge Management im Gesundheitswesen sowie Pflegepädagogik unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Werner die Arbeitsbedingungen von 55 MitarbeiterInnen in sieben Pflege-WGs und die von 82 MitarbeiterInnen in neun stationären Einrichtungen. Die Fragestellung lautete: Ist die Arbeit in einer der neuen ambulant betreuten Demenz-Wohngemeinschaften psychisch mehr oder weniger belastend als ein Job in speziellen Wohnbereichen für Demenzkranke von Altenpflegeheimen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Psychisch Belastete sind unter Mitarbeiterinnen der Wohnbereiche in Heimen mit einem Anteil von 57 Prozent anzutreffen, unter den Mitarbeiterinnen in den WGs dagegen nur zu 26 Prozent.

„Der Organisation Wohngemeinschaft und ambulanter Pflegedienst gelingt es besser, den Anteil psychisch Belasteter und Beanspruchter niedrig zu halten, als dies der Organisation Altenheim gelingt,“ kommentiert Professor Burkhard Werner, der die Pilotstudie geleitet hatte, die Ergebnisse. „Ursächlich dafür ist zum Beispiel die deutlich unterschiedliche Größe der Bewohnergruppen. Für (zu) viele Bewohner zuständig zu sein, empfand im Heim fast die Hälfte der Befragten als belastend, in den WGs waren es lediglich acht Prozent.“Auch die Anzahl der Krankmeldungen gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass der – zumindest subjektiv empfundene - Gesundheitszustand jener, die in einer Demenz-WG arbeiten, deutlich besser ist der ihrer Kollegen in den Heimen: Nur 15 Prozent der WG-Mitarbeiterinnen hatten in den drei Monaten vor Befragung mindestens einen Tag gefehlt, bei der Vergleichsgruppe aus dem Heim waren es 33 Prozent. Bei der Frage nach der Identifikation mit der eigenen Arbeitsstelle ergibt sich ein noch deutlicheres Bild, sie ist bei WG-Mitarbeiterinnen erheblich höher als bei ihren KollegInnen. Burkhard Werner: „Obwohl diese Ergebnisse nicht repräsentativ sind, so lassen sie doch den eindeutigen Schluss zu, dass eine verstärkte Versorgung Demenzkranker in Pflege-WGs nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter und damit die Qualität ihrer Arbeitsplätze deutlich erhöhen würde. Gerade in Zeiten, in denen die Branche über massiven Fachkräftemangel klagt, sehe ich hier einen spannenden Hinweis darauf, wie der Pflegeberuf attraktiver werden kann.“

Der Bericht über die Studie kann angefordert werden bei: Prof. Dr. Burkhard Werner, Kath. Fachhochschule Freiburg, Pflege-/Gesundheitsstudiengänge, Karlstr. 63, 79104 Freiburg, Email: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können

Quelle: Bundesinitiative Daheim statt Heim e.V.

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