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Mit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention geht es nur noch um das "Wie" der gemeinsamen Schule von SchülerInnen mit und ohne Behinderungen. Aber während die Bundesregierung die Verantwortung zur Umsetzung der Konvention im Bildungsbereich von sich weist, bewegen sich die allermeisten Bundesländer nur sehr zaghaft. Wir haben über die konkrete Ausgestaltung einer inklusiven Schule gesprochen und über die politischen und gesetzlichen Anforderungen diskutiert.
Das Fachgespräch wurde von der Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und den Abgeordneten Markus Kurth und Priska Hinz eröffnet. In ihrer Einfangsrede betonte Renate Künast, dass eine inklusive Gestaltung des Schulsystems nicht nur behindertenpolitisch geboten sei, sondern alle Schülerinnen und Schüler besser auf das Leben nach der Schule vorbereite. Sowohl im Arbeitsleben als auch im Alltag müsse man mit der Verschiedenheit der Menschen umgehen. Für alle Schülerinnen und Schüler sei es das Beste, wenn sie diese Schlüsselqualifikation so früh wie möglich lernen. Die heutige frühe Separierung im Schulsystem sei daher für alle Schülerinnen und Schüler schädlich und unsinnig.
Markus Kurth hob die Bedeutung von Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) hervor, in der das Recht auf einen gleichberechtigten Schulbesuch mit nicht behinderten Schülerinnen und Schülern verankert ist. Dies lasse keine Alternative zur Schaffung eines inklusiven Schulsystems zu. Da Bildung ein stark emotional besetztes Thema sei, müssten Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung ergriffen werden, um insbesondere bei Eltern und Lehrern Ängste und Vorurteile abzubauen.
Priska Hinz warf einen kritischen Blick auf das Verhalten der Bundesländer. Diese würden sich mit der Anpassung ihrer Schulgesetze sehr viel Zeit lassen und erst wenige hätten die Wahlfreiheit in ihre Landesschulgesetze aufgenommen, darunter Schleswig-Holstein, Berlin und Hamburg. Zwar begrüße sie, dass die KMK die Überarbeitung der Kriterien zur sonderpädagogischen Förderung endlich angegangen habe, kritisierte aber gleichzeitig, dass das Papier sehr vage sei: Die KultusministerInnen hätten sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Priska Hinz betonte die Vorteile der inklusiven Bildung. Der gemeinsame Umgang miteinander fördere das Bewusstsein und die Wertschätzung von Individualität und Vielfalt.
Prof. Dr. Hans Wocken, emeritierter Erziehungswissenschaftler aus Hamburg, führte die Notwendigkeit eines inklusiven Bildungssystems auf die seit der Französischen Revolution existierende Idee von der Unteilbarkeit der Menschenrechte zurück. Zur praktischen Umsetzung des Ziels forderte er die sofortige Schließung der Förderschulen mit den Schwerpunkten "Lernen", "Verhalten" und "Sprache" und die (pauschale) Verteilung der Sonderpädagogen auf die Regelschulen. Für die Auflösung der übrigen Förderschulen "Sehen", "Hören", "Körper", "Geist" hält er größere Veränderungen und eine längere Übergangsfrist für nötig. Hier soll den Eltern die Wahlmöglichkeit gegeben werden, ob ihr Kind eine Regelschule besucht oder das Angebot der Förderschulen wahrnimmt. Ziel sei es, bis 2020 insgesamt eine Inklusionsquote von 80 Prozent zu erreichen.
In der sich anschließenden Diskussion wurde über die Zweistufigkeit im Konzept von Prof. Wocken kontrovers diskutiert. Einige Diskutanten betonten, dass dieses Stufenmodell eine neue Ausgrenzung mit sich bringe, andere verwiesen auf die Machbarkeit in der Umsetzung, die einen größeren Zeitraum benötige. Zudem gebe es bei vielen Eltern eine hohe Akzeptanz für die Schulen mit Förderschwerpunkt "Sehen", "Hören", "Körper", "Geist". Wichtig sei es zudem, Inklusion bereits im vorschulischen Bereich mitzudenken. Prof. Wocken betonte weiterhin die Wichtigkeit der Lehrerfortbildung zur Erreichung des Ziels einer inklusiven Schule. 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer wären in diesem Gebiet noch ausreichend ausgebildet.
Quelle: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
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