|
Forscher und Politiker stemmen sich gegen das Klonen |
|
|
|
Samstag, 19 Januar 2008 |
|
Bonn (KNA) Forscher und Politiker haben kritisch auf Berichte über das Klonen eines Embryos aus einer menschlichen Hautzelle reagiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehne sogenanntes therapeutisches Klonen entschieden ab, erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag vor Journalisten in Berlin. Auch die Mehrheit des Bundestages sei dafür, dass dieses Verfahren für Deutschland nicht in Frage komme, meinte er.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erklärte in Bonn, sie stehe dem Forschungsklonen nach wie vor kritisch gegenüber. Deutsche Wissenschaftler setzten viel mehr auf die Reprogrammierung von adulten Stammzellen zu einer Art embryonaler Stammzellen. Vor wenigen Wochen hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass sich menschliche Hautzellen durch Behandlung mit Reprogrammierungsfaktoren in stammzellähnliche Zellen zurückverwandeln lassen. Die DFG erklärte, sie werde weiterhin Klon-Experimente ablehnen.
Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) betonte, dass therapeutisches Klonen in Deutschland verboten sei und bleibe. Die Ministerin erwarte keine Auswirkungen der neuen Forschungsergebnisse auf die laufende Debatte um eine Lockerung des Stammzellgesetzes, sagte ihr Sprecher der "Berliner Zeitung". Der CDU-Bioethikexperte Peter Liese bezeichnete die Berichte über vermeintliche Klon-Erfolge kalifornischer Wissenschaftler ebenso wie der SPD-Politiker Wolfgang Wordag als "Horrormeldung".
"Eizellenverbrauch ist ethisch verwerflich"
Als ethisch verwerflich kritisierten der CDU-Politiker Hubert Hüppe und der SPD-Bundestagsabgeordnete Rene Röspel auch den hohen Eizellenverbrauch bei den Klonexperimenten. Damit würden Frauen als Ersatzteillieferantinnen missbraucht, sagte Hüppe. Den schwer kranken Menschen würden falsche Hoffnungen gemacht, da medizinische Anwendungen überhaupt noch nicht absehbar seien.
Röspel sprach in der "Frankfurter Rundschau" von einer "unverantwortlichen Grenzüberschreitung". Das Mitglied des Parlamentarischen Beirats zu Fragen der Ethik verglich dies mit dem Organhandel. Er warnte zudem vor überzogenen Erwartungen ans therapeutische Klonen. Der SPD-Politiker befürchtet, dass die neue Technologie direkt zum reproduktiven Klonen führe, also zur Geburt eines geklonten Menschen. Einem kompletten Klonverbot gibt der SPD-Politiker keine Chance. Er plädierte jedoch dafür, das reproduktive Klonen schnellstmöglich international zu ächten. Ebenso forderten die Grünen eine neue Initiative für eine weltweite Ächtung. "Die Regierung soll hier zügig tätig werden", sagte die Bioethik-Expertin Priska Hinz in Berlin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
© KNA. Alle Rechte Vorbehalten Hwelt
|