Dauergerede am Handy hindert Kinder am Sprechenlernen Drucken E-Mail
Donnerstag, 25 Februar 2010
München - "Seitdem das Handy für die meisten Menschen zum Dauerbegleiter geworden ist, wird auch in Gegenwart von Babys und Kleinkindern exzessiv telefoniert - und das tut ihnen aus mehreren Gründen überhaupt nicht gut." Dies schreibt die renommierte Züricher Lernforscherin und Psychologie-Professorin Elsbeth Stern in einem Exklusiv-Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift ELTERN (03/2010).


Eine typische Szene aus dem neuen deutschen Alltag: Ein Handy klingelt, das Baby im Kinderwagen wendet sich um und lauscht: Was wollen Mama oder Papa mir sagen? Aber die Eltern schauen ihr Kind beim Reden gar nicht an. Sie unterstreichen ihre Worte nicht mit Gesten, wie sie es normalerweise tun, wenn sie einem die Welt erklären...

Die Expertin Prof. Stern warnt in ELTERN: "Kinder brauchen für den Spracherwerb nicht nur die Sprache, sie brauchen vor allem den Sprecher, der sich ihnen aufmerksam zuwendet! Untersuchungen belegen, dass sie nur im direkten Kontakt mit Menschen deren Worte nachplappern, ihre Formulierungen übernehmen. Wenn Kinder dagegen einen Großteil ihres Tages mit Sprache beschallt werden, ohne in die Gespräche einbezogen zu werden, erlischt ihre Neugierde auf Sprache, bevor sie richtig sprechen können."

Für Prof. Stern gehört es zu den Absurditäten unserer Zeit, dass manche Eltern viel Geld für dubiose und bestenfalls wirkungslose Fremdsprachenkurse sowie andere Förderprogramme ausgeben, ihren Babys und Kleinkindern aber im Alltag die einfachsten und wirkungsvollsten Lerngelegenheiten vorenthalten.

Ihr Ratschlag für Mütter und Väter ist denkbar einfach: "Nutzen Sie die gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind, um in Worte zu fassen, was es sieht und interessiert. Zum Beispiel auch so: "Ja, das ist Mamas Handy... Und da drücken wir jetzt mal drauf und schalten es aus!"

Quelle: Gruner+Jahr AG & Co KG

Hwelt

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