Gemeinsame Ethik Asiens und Europas Drucken E-Mail
Freitag, 04 Januar 2008
Berlin (KNA) Der Tübinger Theologe Hans Küng sieht in der asiatischen und der europäischen Tradition Grundlagen für eine gemeinsame humane Ethik. Die Religionen hätten einen gemeinsamen Fundus für einen neuen Wertekonsens, schreibt der Präsident der Stiftung Weltethos in einem Beitrag für die Tageszeitung "Die Welt" (Freitag). Asien besitze wie Europa ein ausgeprägtes Gefüge moralischer Prinzipien, von denen einige fester Bestandteil der asiatischen Kultur waren, noch bevor ähnliche Grundsätze in Europa aufgegriffen worden seien. Diese asiatischen Prinzipien könnten Teil einer gemeinsamen globalen Ethik werden.


Zwar verfüge Asien noch nicht über eine zusammenhängende Kernkultur wie in Europa, die auf der jüdisch-christlichen Tradition und der Aufklärung aufbaue. Doch sollten die Europäer nicht zu überheblich sein. Es gebe entscheidende ethische Konstanten, die die Gesellschaften Asiens seit langem regelten und auf ein gemeinsames ethisches Fundament hinwiesen, so Küng.

Der Theologe verweist auf Konfuzius, der als Erster die goldene Regel der Gegenseitigkeit formuliert habe: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Diese goldene Regel tauche auch in der indischen Tradition des Jainismus, dem Buddhismus, dem Hinduismus und den abrahamitischen Religionen auf. Darüber hinaus seien vier konkrete ethische Regeln im buddhistischen Kanon von Patanjali, dem Begründer des Yoga, in der chinesischen Tradition sowie in Judentum, Christentum und Islam festgelegt: "Töte nicht", "stiehl nicht", "lege kein falsches Zeugnis ab" und "missbrauche die Sexualität nicht".

Diese Regeln lassen laut Küng die Vorstellung eines tiefen Gegensatzes zwischen "asiatischen" und "westlichen" Werten nahezu irrelevant werden. Wenn sich Asien auf seinen kulturübergreifenden ethischen Kern besinne, könne ein völlig neuer Geist der Einheit entstehen, der sanfte Macht anstelle von militärischer Gewalt einsetze und keine Feinde, sondern nur Partner und Konkurrenten kenne. So könnte Asien den Westen in Bezug auf seine kulturelle Integration einholen und gleichzeitig zur Errichtung einer wirklich friedlichen neuen Weltordnung beitragen.

 

Quelle: KNA. Alle Rechte Vorbehalten

© Hwelt

 

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