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Knapp eine halbe Million Euro für die Alzheimer-Forschung |
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Montag, 14 Dezember 2009 |
Düsseldorf - Knapp eine halbe Million Euro, nämlich 488.467 €, kann die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in diesem Jahr an acht Forscher vergeben. Seit 1996 konnte die AFI als größter privater Förderer die Alzheimer-Forschung mit insgesamt 4,75 Mio. € voranbringen.
Aus 31 eingereichten Arbeiten hat der Wissenschaftliche Beirat der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) die besten sieben Projekte zur Förderung ausgewählt. Fünf Vorhaben beschäftigen sich mit Früherkennung, Diagnose und neuen Behandlungsmöglichkeiten und zwei mit möglichen Ursachen der Krankheit. Die AFI stellt zwischen 38.550 und 80.000 € für bis zu zwei Jahre bereit.
PD Dr. Edna Grünblatt, Universität Würzburg Biomarker für Demenzerkrankung in der Verlaufstudie VITA
Privatdozentin Dr. Edna Grünblatt, Universität Würzburg, sucht Biomarker und Risikofaktoren, damit die Alzheimer-Demenz (AD) schon im Frühstadium erkannt werden kann.
Die Basis der Arbeit, die mit 80.000 € gefördert wird, ist die Erforschung von Änderungen in den Genen im Zusammenhang mit der AD, die im Rahmen der VITA-Studie durchgeführt wird. Die VITA (Vienna-Transdanube-Aging)-Studie ist eine prospektive, interdisziplinäre, bevölkerungsbezogene Studie über Häufigkeit und Risikofaktoren der AD. 606 genau 75-jährige Einwohner der 21. und 22. Wiener Gemeindebezirke wurden in einer sehr ausführlichen Basisuntersuchung in die VITA-Studie aufgenommen. Danach wurden möglichst alle Studienteilnehmer nach 2½ und nach 5 Jahren erneut untersucht.
Der große Vorteil dieser Studie besteht darin, Veränderungen in den Biomarkern zu verfolgen, um somit einen Zusammenhang zur AD zu entdecken. Beides, die frühe Diagnose und das Wissen um die Risikofaktoren, sind die Grundlage für Prävention und eine frühzeitige Behandlung.
Dr. Philipp Thomann, Universitätsklinikum Heidelberg Zerebrale Korrelate des autobiografischen Gedächtnisses bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und Alzheimer Demenz
Es ist allgemein anerkannt, dass die meisten Betroffenen, bevor sie eine manifeste Alzheimer-Demenz (AD) entwickeln, ein prädemenzielles Vorstadium, die sogenannte leichte kognitive Beeinträchtigung (LKB), durchlaufen. Insbesondere in diesem frühen Krankheitsstadium, in dem therapeutische Interventionen besonders viel versprechend sind, zählt der Verlust autobiografischer Erinnerungen zu den besonders belastenden Symptomen. Das autobiografische Gedächtnis (AG) umfasst lebendiges Wissen über die eigene Lebensgeschichte und ist ein wesentliches Element der persönlichen Identität.
In seinem Forschungsprojekt untersucht Dr. Philipp Thomann, Universität Heidelberg, gefördert mit 38.550 €, den Zusammenhang zwischen Beeinträchtigungen des AG und Veränderungen der Hirnstrukturen bei Patienten mit LKB und AD. Hierfür werden gesunde Probanden als Referenzgruppe, Patienten mit LKB und milder AD sowie Patienten mit mittelgradiger AD neuropsychologisch sowie hirnstrukturell (3Tesla-MRT) untersucht.
Da das autobiographische Gedächtnis im Laufe der AD schon früh beeinträchtigt ist, kann diese Studie einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Funktion des autobiographischen Gedächtnisses leisten und ist somit wesentlich für die Entwicklung vorbeugender und unterstützender Trainingsprogramme.
PD Dr. Andreas Fellgiebel, Universität Mainz Untersuchung des Wirkmechanismus von Acitretin bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimerdemenz
Privatdozent Dr. med. Andreas Fellgiebel will ein bereits zugelassenes Medikament auf seine Wirksamkeit bei der Alzheimer-Krankheit prüfen. 66.317 € werden für die auf 18 Monate geplante Studie bereitgestellt. Die Alzheimer-typischen Amyloid-Plaques entstehen durch eine fehlerhafte Aufspaltung des Amyloid-Vorläufer-Proteins (APP). Unter normalen Bedingungen spaltet die α-Sekretase neuroprotektiv wirkende APPsα-Peptide ab, die sich auch im Nervenwasser nachweisen lassen. Für eine zukünftige Therapie der Alzheimer-Erkrankung kommen somit Substanzen in Frage, die den nicht-amyloidogenen Stoffwechselweg aktivieren wie z.B. α-Sekretase-Aktivatoren.
Fellgiebel und seine Mitarbeiter konnten jüngst in Labor- und Tierversuchen zeigen, dass ein dem Vitamin A verwandter Stoff, das Acitretin (ein zur Behandlung der Schuppenflechte bereits zugelassenes Medikament) eine stark α-Sekretase aktivierende Wirkung besitzt. Geplant ist eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie, durch die der Wirkmechanismus von Acitretin mittels Messung der APPsα-Konzentrationen im Nervenwasser bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer AD gegenüber Placebo gezeigt werden soll.
Dr. Christoph Jan Wruck, RWTH Aachen Rolle des Transkriptionsfaktors Nrf2 bei der Alzheimer-Krankheit
Übersteigt die Konzentration freier Radikale die antioxidative Kapazität des Organismus, kommt es zu oxidativem Stress. Wichtige Zellstrukturen werden zerstört. Bei der Alzheimer-Demenz (AD) kommt es zu einem massiven Anstieg freier Radikale im Gehirn. Es gilt als gesichert, dass das Neuronensterben in der AD zum großen Teil durch oxidativen Stress verursacht wird. Eine gesteigerte Abwehr der Neuronen durch die vermehrte Ausschüttung von antioxidativen Enzymen, die protektiv gegen oxidativen Stress wirken, würde die Neuronenschäden verringern oder gar verhindern. Bei der Aktivierung von Genen, die für antioxidative Enzyme kodieren, nimmt der Transkriptionsfaktor Nrf2 eine Schlüsselrolle ein. Mäuse, die nicht über Nrf2 verfügen, haben einen Mangel an antioxidativen Enzymen.
In dem Forschungsansatz von Dr. Christoph Wruck, Universitätsklinik Aachen, soll an Nrf2 defizienten Mäusen die Rolle des Transkriptionsfaktors in der AD erforscht werden. Es soll ferner untersucht werden, ob eine pharmakologische Aktivierung von Nrf2 durch das Kavalakton Methysticin, ein Inhaltsstoff der Kava-Kava Pflanze, das in Vorversuchen Neuronen gegen Amyloid-β schützte, auch im Alzheimer-Tiermodell protektiv wirkt. Die Aktivierung der zelleigenen Abwehr gegen oxidativen Stress wäre ein völlig neuer, viel versprechender Therapieansatz, für den 80.000 € von der AFI bereitgestellt werden.
Prof. Dr. Dr. Jens Pahnke, EFN / Dr. Fabien Gosselet, Universität Rostock, Université d’Artois Arbeiten zur Funktion von Blut-Hirn-Schranken ABC-Transportern für die Exkretion von beta-Amyloid
Intensive Forschungen auf dem Gebiet des Amyloid-Abtransportes zeigten in den letzten Jahren, dass hier ein großes Potential für die „Reinigung“ des Gehirnes von giftigen Stoffwechselprodukten und Peptiden liegt. Die Untersuchungen von Prof. Dr. Dr. Jens Pahnke, Universität Rostock und Dr. Fabien Gosselet, Universität Lens, an speziell gentechnisch veränderten Mäusen erwiesen, dass diese Exportfunktion von mehreren Transportmolekülen an der Blut-Hirn-Schranke bewerkstelligt wird. Diese Experimente sollen nun in einem Zellkulturexperiment nachvollzogen werden, um die kinetischen Veränderungen (Transportgeschwindigkeit, Transportkapazität) zu erfassen, was in vivo in Mäusen nur sehr schwierig und ungenau zu bestimmen ist.
Diese Daten sollen helfen, das Risiko bei Funktionseinschränkung und die Bedeutung verschiedener ABC Transporter zu evaluieren. Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass u.a. Herz-Kreislauf-Medikamente bei Langzeiteinnahme zu einer veränderten Funktion dieser ABC Transporter an der Blut-Hirn-Schranke führen. Umwelteinflüsse und Nahrungsgewohnheiten spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle.
Das grenzübergreifende Projekt wird mit 80.000 € für zwei Jahre finanziert. Die von Prof. Pahnke zusammen mit seinem französischen Kollegen Dr. Gosselet erhobenen Daten werden eine neue Betrachtung der Funktion der Blut-Hirn-Schranke im Hinblick auf die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen mit Proteinablagerungen ermöglichen. Dieses herausragende Projekt wird durch die Aktion „Flagge zeigen“ unterstützt, in der die AFI zu Spenden für junge Forscher aufgerufen hat.
Dr. Michael Baier, Robert-Koch-Institut Berlin Ist das Prion-Protein an der Entstehung der Alzheimer-Krankheit beteiligt?
Ob das Prion-Protein an der Entstehung der Alzheimer-Demenz (AD) beteiligt ist, will Dr. Michael Baier vom Robert-Koch-Institut in Berlin überprüfen. Sein Projekt wird mit 63.600 € gefördert.
Kürzlich ist überraschenderweise eine enge Verbindung zwischen der Alzheimer-Krankheit und einer Funktion des Prion-Proteins diskutiert worden. Gemäß dieser Annahme soll das Prion-Protein als Rezeptor für ein Peptid (das sogenannte Aβ1-42) fungieren, dem bei der Entstehung der AD eine zentrale Bedeutung zugeschrieben wird.
In einem Tiermodell soll untersucht werden, ob sich das Fehlen des Prion-Proteins tatsächlich auf die Krankheitsentwicklung auswirkt. Falls diese Annahme erhärtet werden kann, könnten sich daraus neue Ansätze zur Alzheimer-Therapie ergeben.
Dr. Uwe Ueberham, Universität Leipzig Neue Behandlungsstrategien der Alzheimer-Krankheit durch Gentherapie
Die Alzheimer-Demenz (AD) geht mit einer Störung aller höheren zerebralen Leistungen, wie Lern- und Gedächtnisfunktionen, Sprache und Persönlichkeit einher. Eine kausale Therapie ist bisher nicht möglich. Im Rahmen der von Dr. Uwe Ueberham, Universität Leipzig, geplanten Studie ist die Entwicklung eines gentherapeutischen Ansatzes vorgesehen, der auf eine nachhaltige Behandlung der AD ausgerichtet ist.
Die Theorie der Leipziger Forscher geht von einer Störung der neuronalen Zellteilungs- und Vermehrungskontrolle bei der AD aus. Durch verstärkte Aktivierung bestimmter Signalwege treten ausdifferenzierte Neurone wieder in den Zellzyklus ein, durchlaufen diesen teilweise und aktivieren schließlich Signalwege, die zum Neuronenuntergang führen. Untersuchungen mit transgenen Mäusen zeigen, dass eine von außen angeregte Ausschüttung von Zellzyklus-Hemmstoffen diesen Prozess unter in vivo Bedingungen aufhalten und Neuronen vor dem Zelltod schützen können. Ueberham will diesen Therapieansatz schrittweise für eine Anwendung am Menschen weiterentwickeln. Dazu werden spezielle neuartige Viren als wirksame und sichere Shuttlesysteme für eine neuronenspezifische Ausschüttung der Zellzyklus-Hemmer verwendet. Die Studie wird mit 80.000 € für zwei Jahre finanziert.
Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e.V.
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