Profit mit falschen Pillen Drucken E-Mail
Sonntag, 06 Dezember 2009
Phnom Penh (KNA) Saphire und Rubine bilden den Reichtum von Pailin im Nordwesten Kambodschas. Die Edelsteinminen rund um die ehemalige Hochburg der Roten Khmer ziehen jährlich Hunderte Wanderarbeiter aus anderen Regionen Kambodschas, aber auch aus Laos, Thailand und Birma an. Jetzt hat sich die Region an der Grenze zu Thailand zu einem Gesundheitsrisiko für Millionen Menschen weit über Kambodscha hinaus entwickelt: In Pailin breiten sich Malariaformen aus, die resistent gegen gängige Medikamente sind.


Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist in Sorge: Zurück in ihrer Heimat könnten infizierte Wanderarbeiter die resistenten Malariaerreger weiterverbreiten. Ursache der Resistenzen sind gefälschte Malariamedikamente. Ein Schlaglicht auf das Ausmaß des Problems wirft eine aktuelle Studie der US-Pharmabehörde Pharmacopeia. Der Untersuchung zufolge sind im Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand 60 Prozent der Malariamedikamente gefälscht: Sie enthalten keinen Wirkstoff oder nur Spuren davon.

Die Auswirkungen der falschen Pillen sind fatal. Entweder bleibt die Krankheit unbehandelt, was zum Tod der Patienten führen kann, oder der notwendige Wirkstoff ist in einer zu geringen Dosis enthalten. Diese Scheinmedikamente heilen nicht, sondern helfen den Erregern, Resistenzen gegen den Wirkstoff zu entwickeln. Wenn Moskitos diese resistenten Malariaerreger dann auf andere Menschen übertragen, sind deren Erkrankungen nicht mehr behandelbar.

Das gefährdet den Erfolg des weltweiten Kampfes gegen Malaria, dem sich Regierungen, WHO und private Organisationen verschrieben haben. Mehr als 250 Millionen Menschen erkranken nach WHO-Angaben weltweit jährlich an Malaria. Resistente Erreger können sich im Zeitalter der Globalisierung schnell ausbreiten und sind eine tödliche Gefahr: Schon heute sterben 880.000 Menschen im Jahr an der Folgen der Krankheit, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Nach Aids und Tuberkulose ist Malaria die dritttödlichste Infektionskrankheit der Welt. Wenn Medikamente nicht mehr wirken, könnte die Zahl der Opfer steigen.

Die Fälscher sitzen hauptsächlich in China. Aber auch kriminelle Organisationen in Indien haben den lukrativen Markt mit falschen Medikamenten entdeckt und schmuggeln die lebensgefährliche Ware sowohl in die Nachbarländer als auch nach Afrika. Die WHO schätzt, dass in den Entwicklungsländern insgesamt bis zu 30 Prozent aller Medikamente gefälscht sind.

Kambodscha hat sich dabei zu einer Drehscheibe des illegalen Handels mit gefälschten Malariamedikamenten in Südostasien entwickelt. Der Markt dafür ist groß. Vor allem die armen Menschen in den Grenzregionen von Kambodscha, Thailand, Laos und Birma - Flüchtlinge, illegale Wanderarbeiter, unterdrückte Bergstämme - sind gutgläubige Abnehmer. Die echten Medikamente sind, selbst wenn sie von Hilfsorganisationen subventioniert werden, oft zu teuer oder in abgelegenen Gebieten kaum verfügbar.

Die Behörden in Phnom Penh haben reagiert und mit Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen eine Aufklärungskampagne im Fernsehen gestartet. Die Botschaft: Kauft Medikamente nur in staatlich zugelassenen Apotheken. Das ist leichter gesagt als getan: In ländlichen Gebieten gibt es kaum Apotheken. Zudem werden die falschen Pillen oft in originalgetreuen Verpackungen geliefert. Da haben selbst Ärzte und Apotheker Probleme, ohne Laborproben Original und Fälschung zu unterscheiden. Pharmacopeia-Mitarbeiter Patrick Lukulay fällt ein eindeutiges Urteil über den Handel mit falschen Medikamenten: «Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

 

© KNA Alle Rechte Vorbehalten

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