US-Bischöfe wollen Gesundheitsdebatte weiter kritisch begleiten Drucken E-Mail
Freitag, 20 November 2009
Baltimore (KNA) Die katholische US-Bischofskonferenz hat mehrere Dokumente zu ethischen Fragen und zur umstrittenen Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama verabschiedet. Bei ihrer Vollversammlung in Baltimore, die am Donnerstag zu Ende ging, stimmten die Bischöfe zudem für weite Teile der neuen englischsprachigen Übersetzung des römischen Messbuchs, über die seit Jahren theologisch gerungen wird. Nach Freigabe durch den Vatikan könnte das neue Missale ab 2011 in den USA verwendet werden, berichtet die US-Nachrichtenagentur CNS.


In ihrem Dokument über moderne Reproduktionstechnologien betonen die Bischöfe, die Kirche fühle mit Paaren, die unter Unfruchtbarkeit zu leiden hätten, und wolle sie in ihrer Situation unterstützen. Allerdings seien Technologien wie künstliche Befruchtung, Ei- und Samenspende, Klonen und Einfrieren von Embryonen als ethisch nicht legitim abzulehnen. Dagegen setzen sie eine «Bandbreite» ethisch verantworteter Methoden, darunter Hormon- und Eileiterbehandlungen sowie Behandlungen zur Behebung männlicher Unfruchtbarkeit.

In neuen ethischen Richtlinien für die katholische Krankenpflege sprechen sich die Bischöfe erneut dafür aus, Wachkoma-Patienten durch Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr am Leben zu erhalten. Eine Ausnahme bestehe lediglich für Patienten, deren Tod nicht mehr aufzuhalten sei, so der Bericht. Diese Entscheidung ist in den USA umstritten, da bei lebenserhaltenden Maßnahmen häufig der Wunsch des Patienten nicht befolgt werde.

Eine Langzeitstudie über Ursachen und Umfeld des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche ergab, dass eine «ausdrücklich menschliche Formung» für Priesteramtskandidaten den Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen eindämmen könne. Weiter geht aus dem Berichtsentwurf, der den Bischöfen vorgelegt wurde, hervor, dass nicht Homosexualität bei Geistlichen den Ausschlag für Missbrauchsfälle gebe. Vielmehr hingen die Ursachen eng mit ähnlichen Fällen im nicht-kirchlichen Raum zusammen. Auch die generelle gesellschaftliche Entwicklung mit höherer Kriminalität und mehr Drogenkonsum spiele eine Rolle.

Die Bischöfe hatten die Studie bei einem unabhängigen Institut in Auftrag gegeben; endgültige Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen. Der Missbrauchsskandal hatte die US-Kirche nach 2001 bis in die Grundfesten erschüttert.

In einem Schreiben zur Gesundheitsreform kündigte der Bischofskonferenzvorsitzende, Kardinal Francis George, an, die Bischöfe würden in den kommenden Tagen die Senatsdebatte zum Thema kritisch verfolgen. Der Senat müsse ebenso wie das Repräsentantenhaus per Gesetz garantieren, dass keine Steuergelder für Abtreibungen verwendet werden dürfen.

Zuletzt hatten die Bischöfe die fast einstimmige Entscheidung des Repräsentantenhauses gelobt, jede Finanzierung von Abtreibungen mit öffentlichen Geldern abzulehnen. Sie kündigten an, die konkrete Ausgestaltung der Gesundheitsreform und vor allem ihre Auswirkungen auf die Armen und sozial Schwächsten wachsam und kritisch zu verfolgen.

 

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