Trauma Fehlgeburt Drucken E-Mail
Mittwoch, 18 November 2009
Viele Frauen leiden jahrelang unter dem Verlust eines Babys in der Schwangerschaft. Auch die Väter trauern häufig stärker als man bislang annahm. Forscher der Uniklinik Münster entwickelten eine Internettherapie, die Eltern hilft, ihren Schmerz zu verarbeiten.


Mindestens jedes zehnte Kind stirbt, noch bevor es auf die Welt kommt. Viele Paare stürzt eine gescheiterte Schwangerschaft in eine tiefe Krise. Sie leiden meist noch Jahre später unter der psychischen Belastung – Depressionen und Angststörungen sind häufige Folgen.

Obwohl die seelische Folgen einer Fehl- oder Todgeburt für die Eltern vielfach bestätigt wurden, konzentrierte sich die Forschung bislang überwiegend auf betroffene Frauen, berichtet die Ärztin und Psychotherapeutin Annette Kersting im Magazin "Gehirn&Geist" (Ausgabe 12/2009). Männern hätten keine so emotionale Beziehung zum Ungeborenen wie die Mütter, und würden daher auch weniger trauern, hieß es. Neue Studien zeigen jedoch, dass Väter der Verlust des Babys ebenso mitnimmt – besonders, wenn sie bereits Ultraschallbilder des Kinds sahen oder dessen Herztöne hörten.

Laut amerikanischen Psychologen äußere sich die Trauer über den Kindesverlust bei Mann und Frau allerdings unterschiedlich: Väter neigten eher dazu, ihren Schmerz im Alkohol zu ertränken oder sich mit Arbeit und anderen Aktivitäten abzulenken. Mütter hätten dagegen eher das Bedürfnis, über den Verlust zu sprechen. "Es gibt Hinweise dafür, dass sich Paare intuitiv dabei helfen, mit dem Trauma fertig zu werden", erklärt Kersting. 2Doch bislang wurden nur wenige spezifische Behandlungskonzepte für betroffene Eltern entwickelt."

Seit November 2007 bietet Kersting zusammen mit ihren Kollegen von der Uniklinik Münster eine Internettherapie für Paare an. Dabei lernen die Patienten ihren Verlust zu realisieren und ihre seelischen Schmerzen in Worte zu fassen, um schließlich von dem Ungeborenen Abschied nehmen zu können. Der Austausch zwischen Patient und Therapeut erfolgt ausschließlich per Email.

Der Ansatz zeigte Wirkung: Im Jahr 2009 befragten die Wissenschaftler 54 Patienten vor und nach der Behandlung zu ihren Trauergefühlen. In welchem Ausmaß litten die Betroffenen unter Depressionen, Ängstlichkeit und allgemeiner psychischer Belastung? Das Ergebnis: Die Onlinetherapie hatte die Trauersymptome deutlich reduziert. Auch drei Monate später war der Therapieerfolg noch nachweisbar.

Quelle: Gehirn&Geist

Hwelt

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