|
Bonn (KNA) In Deutschland und der Schweiz wächst der Druck auf die Sterbehilfeorganisation Dignitas. Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestags-Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach sich am Montag für ein Verbot von Sterbehilfeorganisationen aus. Es sei nicht zu dulden, dass mit dem Tod Geschäfte gemacht werden, sagte er der "Berliner Zeitung".
Dagegen erklärte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, ein Verbot sei nicht notwendig, weil ein "geschäftsmäßiges Betreiben von Sterbehilfe" mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei. Gleichwohl plädierte er in "Focus online" dafür zu prüfen, ob eine Klarstellung - beispielsweise im Gewerberecht - vorgenommen werden müsse, um Dignitas "das Handwerk zu legen".
Der behindertenpolitische Sprecher der Fraktion, Hubert Hüppe (CDU), forderte ein "knallhartes" Einschreiten der Polizei. Es müsse durchgegriffen, wenn diese Leute meinten, über einen Einzelfall das Gesetz außer Kraft setzen zu können. In der vergangenen Woche hatte sich Berlins Kardinal Georg Sterzinsky für ein Verbot der Sterbehilfeorganisation Dignitas ausgesprochen. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) lehnt Sterbehilfe in Deutschland kategorisch ab.
Die Deutsche Hospiz Stiftung warf Dignitas unterdessen "undurchschaubares" Geschäftsgebaren vor. Seit 2004 habe Dignitas-Gründer Ludwig Minelli keinen Jahresabschluss veröffentlicht, sagte Vorstand Eugen Brysch. Er kritisierte die Höhe der Gebühr, die Dignitas bei der Hilfe zum Selbstmord erhebt. Dignitas stellt nach eigenen Angaben für den "administrativen Aufwand" bei Vorbereitung und Durchführung einer Freitod-Begleitung insgesamt umgerechnet rund 3.600 Euro in Rechnung. Für die Abwicklung von Bestattungsformalitäten werden weitere 900 Euro fällig. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man für eine Dienstleistung, bei der es nur ums Töten geht, so viel Geld erhält", so Brysch. Dignitas gehe es "nicht um würdiges Sterben, sondern um Geschäftemacherei mit dem Tod".
Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband forderte Politik, Gesundheitswesen und die Gesellschaft insgesamt auf, die Rahmenbedingungen für ein menschenwürdiges Sterben weiter zu verbessern. Notwendig sei ein eng geknüpftes Netz ambulanter und stationärer Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch setzte sich demgegenüber für eine Legalisierung des "assistierten Suizids" nach dem Vorbild des US-Staates Oregon ein. Dort müssten zuvor zwei Ärzte eine Lebensdauer von weniger als sechs Monaten prognostizieren, und alle schmerzmindernden Möglichkeiten müssten ausgeschöpft sein, sagte er. Nach seinen Worten lehnt die FDP aber eine aktive Sterbehilfe oder eine gewinnorientierte Vermittlung von Suizidhilfe ab.
In der vorigen Woche war bekanntgeworden, dass Dignitas zwei Deutschen auf einem Parkplatz in der Nähe von Zürich beim Suizid geholfen hatte. Die beiden Männer starben im Auto. In Deutschland sucht der Dignitas-Ableger Dignitate derzeit nach einer sterbewilligen Person, um ihr beim Suizid zu helfen. Dadurch will die Organisation einen Gerichtsprozess provozieren, um Sterbehilfe auf diesem Weg zu legalisieren.
Empörung auch in der Schweiz
Auch Schweizer Politiker reagierten mit Empörung auf die Praktiken von Dignitas. Die Sozialdemokratische Partei (SP) im Schweizer Kanton Zürich forderte die Sterbehilfeorganisation auf, die derzeitige Praxis bei Sterbebegleitungen sofort aufzugeben. Schwer kranke, sterbewillige Menschen würden als Werkzeuge missbraucht, um die Gesellschaft zu erpressen, sagte eine SP-Sprecherin.
Die Christliche Volkspartei (CVP) Zürichs verlangte von der Kantonsregierung Standards für die Begleitung zum Selbstmord. Es dürften nie mehr solche unwürdigen Szenen vorkommen, sagte ein Sprecher. Notwendig seien "ethische Minimalvoraussetzungen", damit auch Menschen in Notsituationen unter würdigen Umständen aus dem Leben scheiden könnten.
Quelle: KNA. Alle Rechte Vorbehalten
|