Journalisten-Verband kritisiert Sterbehilfe-Sendung im TV Drucken E-Mail
Freitag, 12 Dezember 2008
Osnabrück (KNA) Die Übertragung eines Selbstmordes im britischen Fernsehen stößt auch beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV) auf deutliche Kritik. Die Dokumentation sei «aus medienethischer Sicht nicht zu verantworten». In einem Gespräch mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag) sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken, es bestehe die Gefahr, dass durch solche TV-Beiträge die Nachfrage nach moralisch fragwürdigen Sendungen geschaffen werde.


Der Sender Sky Real Lives zeigte am Mittwochabend das eingeleitete Sterben des 59-jährigen Craig Ewert. Der an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidende US-Amerikaner hatte 2006 in einer Klinik der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas ein Schlafmittel in einer tödlichen Dosis erhalten.

Bei der Fernsehübertragung habe es sich zwar nicht um Sensationsberichterstattung gehandelt, sondern um eine Dokumentation «im besten journalistischen Sinne», erklärte Konken. Dennoch sei es unverantwortlich, auf diese Weise über einen Suizid zu berichten, um damit die Einschaltquote zu steigern.

Derartige Sendungen widersprächen dem Pressekodex des Deutschen Presserates, erläuterte der DJV-Vorsitzende. Dieser verpflichte Journalisten zur Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenrechte sowie zur Achtung von Privatleben und Intimsphäre. Bisher sei in deutschen Fernsehsendern der Tod daher auch nicht Gegenstand der Bildberichterstattung gewesen. Rechtliche Regelungen über begleitete Selbsttötungen hält Konken in Deutschland aber derzeit nicht für notwendig. Die Journalisten seien selbst gefragt, sich ihrer medienethischen Verantwortung bewusst zu sein.

 

© KNA Alle Rechte Vorbehalten

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