Tibetische Blindenschule gilt Peking als mustergültig Drucken E-Mail
Freitag, 05 Dezember 2008
Das große Reich der Mitte ist immer wieder für Überraschungen gut: Waren es im 20. Jahrhundert neben Lenin und Stalin vor allem die beiden Deutschen Karl Marx und Friedrich Engels, die starken Einfluss auf Chinas Revolutions- und Aufbauzeiten hatten, so ließ man in Peking nun nach neuen Vorbildern aus dem Ausland suchen – denn Ideologen sind heute weniger gefragt.


Für die jüngsten 30 Jahre der Reformen und Öffnung, die der Volksrepublik zum weltweiten Aufstieg ins 21. Jahrhundert verhalfen, ermittelte das »Pekinger Büro für Auslandsexperten« eine neue Favoritenliste. Unter den 15 ausländischen Persönlichkeiten, die die Entwicklung Chinas seit 1978 am stärksten beeinflussen konnten, sind Japaner, USA-Chinesen wie der weltberühmte Architekt Ieoh Ming Pei, der Physik-Nobelpreisträger Yang Chenning oder auch der kanadische Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert A. Mundell, der Berater der Bank of China wurde.

Auch zwei Deutsche sind darunter, beide Träger des Bundesverdienstkreuzes. Zum einen der Ingenieur Werner Gerich aus Bretten bei Karlsruhe, der in China als Entwicklungshelfer Karriere machte. Chinas Ehrenbürger Gerich starb allerdings 2003 und erlebte nicht mehr, wie ihm 2005 die Stadt Wuhan eine Bronzebüste aufstellte.

Als zweite Vorbild-Deutsche wählte Peking Sabriye Tenberken, weil sie Einfluss auf Chinas Behindertenpolitik nahm, indem die heute 38-Jährige mit ihrem Lebensgefährten Paul Kronenberg 1998 in Tibet ein Ausbildungszentrum für Blinde aufbaute. Sie entwickelte eine offizielle Blindenschrift für Tibetisch und wurde Gründerin der Organisation »Braille ohne Grenzen«.

Obwohl seit ihrem 12 Lebensjahr blind, hat Sabriye Tenberken nie ihre Vision aus den Augen verloren. Sie sieht die Bedürfnisse jener, die ihr Schicksal teilen. Die gebürtige Bonnerin, die in Folge einer erblichen, degenerativen Netzhauterkrankung erblindete, studierte Ende der neunziger Jahre in ihrer Heimatstadt Tibetologie. Es gab aber für die 42 Silbenzeichen dieser komplexen, asiatischen Sprache keine Entsprechung in Braille. Also entwickelte sie sie selbst, in nur zwei unglaublichen Wochen.

Die anrührende Geschichte der Gründung einer Schule für blinde Kinder in Lhasa, die zugleich einer der ersten authentischen Berichte darüber ist, wie es ist, sich als Blinde in der Welt zurechtzufinden, ist in ihrem Bestseller »Mein Weg führt nach Tibet. Die blinden Kinder von Lhasa« nachzulesen.

Mehr Informationen unter: www.kiwi-verlag.de

Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG

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