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Donnerstag, 01 November 2007

Im Laufe der Zeit haben sich die Erklärungsmodelle was den überhaupt eine Geistige Behinderung sei immer wieder geändert. Die folgende Tabelle stellt drei dieser Modelle gegenüber.

 

 


Medizinische Modell

Sozialwissenschaftliche Modell

Lebenswelt Modell

Sicht der Behinderung (Was ist geistige Behinderung)

» Behinderung ist ein Krankheitsprozess, der im Individuum begründet ist und dort abläuft. Sämtliche Verhaltensweisen sind in diesem Defekt begründet (Sterotypen, Aggressionen, Autoaggressionen, Onanieren, Sturheit...) Die Person wird über die Behinderung definiert. (defektorientiert, Mangelwesen, kein Mensch sondern Auch-ein-Mensch) Gewisse Unveränderbarkeit

» Behinderung wird nicht einfach mit individueller Schädigung gleichgesetzt, sondern in Beziehung zur Umwelt gesehen. Der Mensch hat zwar eine Schädigung/Einschränkung, aber er kann lernen. Die Behinderungen ist das Resultat aus individuellen und sozialen Faktoren. Es wird nicht nur der behinderte Anteil, der Defekt gesehen, sondern der ganze Mensch, der Möglichkeiten hat, sich zu entwickeln.

» Geistige Behinderung ist eine zwar besondere, aber grundsätzlich gesunde Form des menschlichen Seins. Man fragt nicht nach dem was bei dem anderen behindert ist, sondern stellt fest, dass es unterschiedliche Weisen gibt, die Welt zu erleben, zu deuten. (ähnlich einer anderen Kultur) Das Problem liegt darin, dass wir keine gemeinsame Deutungs- und Ausdrucksmuster haben. Dadurch entsteht gegenseitiges Unverständnis.

Ursachen

» Ursache ist ein Defekt, eine Krankheit. Die Behinderung ist Folge des Defektes. (Insbesondere eine Hirnfunktionsstörung) Bestimmte Defekte führen zu bestimmten typischen Störungsbildern

» Schwächen in den Erziehungsleistungen, keine oder zuwenig Förderung, Störungen in den Beziehungen zu den anderen mit der Familie oder der weiteren sozialen Umwelt. Institutionelle Unzulänglichkeiten (siehe Theorie Martin Hahn „Behinderung als soziale Abhängigkeit“)

» s.o. Unverständnis, fehlen gemeinsamer Deutungs- und Ausdrucksmuster

Verhältnis (Helfer-Behinderter)

» Es gibt eine definitorische Macht (normal – unnormal) Zusprechung von Krankheit und Gesundheit Der Behinderte ist der Patient, der professionelle Helfer der Experte

» Der Helfer wird auch einer der mit dem Behinderten interagiert, Beziehung tritt in den Vordergrund – Subjekt-Subjekt, Er ist auch einer der die Ziele und den Weg dorthin bestimmt, Pädagogischer Optimismus

» Es gibt nicht mehr Helfer und Behinderter, es gibt nur ein partnerschaftliches Verhältnis, in dem die Bedürfnisse des einzelnen im Vordergrund stehen. Jeder Mensch ist Experte für seine persönliche Situation. Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf bekommen Unterstützung, aber sie bleiben die Fachleute.

Ziel

» Anpassung, Verwaltung, sich festgelegten Normen/Regelungen und alltäglichen Abläufen unterordnen müssen. Funktionieren, Wiederherstellung, Erhaltung, Gewisse Nützlichkeit, Produktivität, Arbeitsfähigkeit, gesellschaftliche Verwertbarkeit

» Entwicklung des vorhandenen Potentials. Heranführung an die Gesellschaft, Teilhabe, Integration

» das der Hilfebedürftige ein möglichst autonomes, selbstbestimmtes und normales Leben führen kann. Ziel ist eine gemeinsame Daseinsbewältigung. Die sogenannten Normalen sind gefordert, ihre Deutungs- und Ausdrucksmuster nicht als die allein gültigen zu sehen.

Ansatz (was tut man)

» Man orientiert sich am Ausfall von Funktionen, man will das störende „Etwas“ wegbringen. Funktionen werden isoliert behandelt

» Menschen mit geistiger Behinderung sind abhängig von entwicklungsfördernden Qualitäten ihrer Mit- und Umwelt

» Eine spezielle Lern- und Leistungsförderung ist nicht mehr die zentrale Aufgabe. Man orientiert sich nicht an den Hindernissen, sondern an den potentiellen Möglichkeiten und individuellen Lebensbedürfnissen. Unterstützung bedeutet keinerlei Einschränkung von Wahl- und Entscheidungsfreiheit.

Konsequenzen Organisationen Institutionen

» Sondereinrichtungen, Verwahrung, Pflege, „satt-sauber“ Menschen müssen ständig beschützt und beaufsichtigt werden. Kein Alkohol, kein Kontakt zu andersgeschlechtlichen Menschen, gesteht dem Menschen keine Verantwortung zu. Abweichendes Verhalten wird behandelt (Medikamente, Zwangsmaßnahmen)

» Ausbau Sonder- und Heilpädagogischer Einrichtungen. Beginn der Integrationsbewegung, Durch das Herausarbeiten der sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhänge wurde die soziale Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geschärft und ein enormes sozialpolitisches Engagement hervorgerufen

» keine Sondereinrichtungen, integrierte Lern-, Wohn- und Lebensformen. Menschen mit Behinderungen verfügen über dieselben Wahl- und Entscheidungsfreiräume wie alle anderen, sie verfügen über ihre Finanzen, „kaufen“ sich die Hilfe die sie benötigen und wollen und von wem sie sie wollen. Anbieter von Hilfe müssen sich an deren Bedürfnissen und Wünschen orientieren.

Positv / Negativ

» Gefahr: das Unproduktive kann seinen Sinn und seine Daseinsberechtigung verlieren. Unter materialistischem Aspekt fällt das Nicht Widerherstellbare heraus.

» Die Möglichkeiten sich zu entwickeln werden gesehen. Man geht davon aus, das jemand was kann. Der ganze Mensch wird gesehen. Aber auch in diesem Modell interessiert vor allem das, was behindert ist. Ausgangspunkt ist das Abweichende, der Behinderte ist defizitär. Ziele werden vorgegeben. Gefahr: Wohin mit dem, was bleibt, wenn das Förderbare gefördert, das Machbare gemacht ist. Welche Umgangsformen hat eine Gesellschaft für das aus ihrer Sicht Unsinnige, Sinnlose.

»

 

 

Diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Für Anmerkungen und Kritik nutzen Sie bitte die Kommentar Funktion

 

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