|
Alte Patienten - neue Wege |
|
|
|
Dienstag, 09 September 2008 |
|
Köln (KNA) Da kommt einiges auf die Krankenhäuser zu: Die zunehmende Alterung der Gesellschaft wird zu einem Anstieg der Behandlungsfälle von derzeit 17 Millionen auf rund 19 Millionen im Jahr 2030 führen. Doch dieser vom Statistischen Bundesamt errechnete Anstieg um 12 Prozent macht nur einen Teil der Herausforderungen für die derzeit bundesweit rund 2.100 Kliniken und Krankenhäuser aus, wie der Kölner Sozialforscher Dietrich Engels am Dienstag bei der Mitgliederversammlung des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands (KKVD) deutlich machte.
Denn auch die Struktur der Patientenschaft wird sich in dieser Zeit merklich verändern - mit großen Auswirkungen auf den Betreuungs- und Pflegebedarf, die Rehabilitation und die Fürsorge der Patienten bei der Rückkehr in den Alltag. «Während derzeit 70 Prozent der Krankenhauspatienten unter 65 Jahre alt und 30 Prozent über 65 Jahre alt sind, wird sich dieses Verhältnis bis 2030 auf 57 Prozent unter 65-Jährige und 43 Prozent ältere Patienten verschieben», rechnete Engels vor den Vertretern der rund 470 katholischen Kliniken und Krankenhäuser vor. Dabei wird die Zahl der hochaltrigen Patienten über 85 Jahren sogar um 150 Prozent ansteigen. «Die Kliniken müssen zukünftig nicht nur mit älteren Patienten rechnen, sondern auch mit höheren Anteilen an Pflegebedürftigen und Demenzkranken», lautet die Prognose.
Welche Herausforderungen auf die Kliniken warten, versuchen Krankenhausträger, Pflegewissenschaftler und Sozialforscher in einer derzeit nicht abreißenden Kette von Kongressen, Symposien und Studien zu erfassen. Da ist mit nachlassender Orientierungsfähigkeit alter Patienten zu rechnen: Sie können sich nicht mehr zielsicher im Haus bewegen, sondern müssen durch Personal begleitet oder durch ausreichend große Beschilderung gelenkt werden. In ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkte Patienten werden beim Verlassen des Bettes, dem Waschen, dem Anziehen von Stützstrümpfen Unterstützung benötigen. Bis zum Verlassen des Krankenhauses müssen sie ihre Muskeln und ihren Gleichgewichtssinn wieder aktiviert haben.
Selbst der Verband der Elektrotechnik diskutiert über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Krankenhäuser und denkt über technische Hilfsmittel nach, um älteren Menschen in den Kliniken und beim Übergang in die eigene Wohnung das Leben zu erleichtern. So könne desorientierten Patienten durch eine Überwachung eine Fixierung erspart bleiben, heißt es auf der Internetseite des VDE. Intelligente Sturzprotektoren könnten den Bewegungsradius ausweiten und elektronische Medikamenten-Spender dafür sorgen, dass Arzneien zur richtigen Zeit in der richtigen Dosis eingenommen werden.
Gerade die Überleitung vom Krankenhaus in die eigenen vier Wände oder eine Pflegeeinrichtung gewinnt eine wachsende Bedeutung. Einerseits müssten überflüssige und bei vielen älteren Patienten unbeliebte Einweisungen in Pflegeheime vermieden werden, betonte Sozialforscher Engels. Würden alte Menschen aber - insbesondere nach Schlaganfällen oder Knochenbrüchen - unbedacht und ohne Hilfen nach Hause entlassen, drohe der «Drehtüreffekt": Sie würden in kurzer Zeit wieder behandlungsbedürftig.
An dieser Stelle sieht Engels die Krankenhaus-Sozialdienste besonders gefordert. Sie seien eine wichtige Schnittstelle zwischen Klinik, Angehörigen, Pflegeheimen und sozialen Diensten wie Pflegestützpunkten. Sie hätten einzuschätzen, ob eine Rückkehr in den Privathaushalt überhaupt noch in Frage komme und ob Hilfeleistungen wie Kurzzeitpflege oder betreutes Wohnen organisiert werden müssten.
© KNA Alle Rechte Vorbehalten Hwelt
|