Italien. Für Antipsychatrie in den Knast Drucken E-Mail
Montag, 22 Oktober 2007
Am Samstag, 13 Oktober, wurde in Bologna um vier Uhr früh, also zu einer Zeit als niemand aufmerksam wurde, ein Mädchen gewaltsam gefesselt, um sie in die Psychatrie zu bringen, weil ihr Verhalten als abnormal eingestuft wurde. Die (wohl von irgendwem gerufenen) Ordnungskräfte hatten einen (im übertragenen Sinn) Krankenwagen, TSO (Tratamiento Sanitario Obligatorio), gerufen, um das Mädchen gemäss einer Gesetzesregelung, die besagt, dass jemand gegen seinen Willen für 7 Tage in die Psychatrie eingeliefert werden kann, wenn er geistig unzurechnungsfähig und gefährlich ist, abzutransportieren. Viele betrachten diese Regelung als blanke Freiheitsberaubung, bei der zudem zwangsweise Pshychopharmaka verabreicht werden.


Mehrere Personen, die den Vorgang mitbekamen, entschlossen sich spontan gegen diese Praktik zu protestieren und versuchten den Zugriff zu behindern. Die Reaktion der Polzei war äusserst aggressiv: Stockschläge und einer wollte gar die Pistole ziehen, bis schliesslich 6 Polizeiautos anfuhren und die fünf Anti-Psychatrie-Solidarischen festnahmen.

Gegen die AnarchistInnen wurden folgende Anschuldigungen erhoben: Raub unter Einsatz mehrfacher Gewalt (einer der Polizisten hatte seine Handschellen verloren), Beschädigung eines Polizei-KFZ´s und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Am Montag erging dann die Entscheidung, dass 3 Personen in Haft bleiben werden (Texino, Fede, Facco) und die zwei anderen (Madda und Manu) unter Hausarrest gestellt sind.

In der Nacht zum Sonntag wurden fünf weitere Anarchisten verhaftet, weil sie ihre Solidarität "schriftlich und bildlich zum Ausdruck gebracht haben" und das an Mauern, die als historisch wertvoll gelten. Daraufhin hat am Dienstag ein Schnellverfahren stattgefunden, bei dem wegen der Soli-Graffities,- und Schriftzüge folgende Urteile gefällt wurden: 10 Monate Gefängnis für Juan und Bogu (immernoch inhaftiert) und 4 Monate für David, Alessio und Belle (die sich zwar aufgrund fehlender Vorstrafen auf freiem Fuss befinden; aber unter der Auflage, die Stadt Bologna zu verlassen).

Am Samstag und Montag haben bereits zwei unangemeldete Demonstrationen im Stadtzentrum von Bologna stattgefunden, die ohne besondere Zwischenfälle verlaufen sind.

Der Konsens der solidarischen Personen ist, "genau zu wissen, dass es das wirkliche Vergehen der Inhaftierten und Verurteilten gewesen ist, den Mut besessen zu haben, sich gegen eine Welt der legalen Gewalt, Repression und sozialen Kontrolle zu widersetzen". Angeprangert wird auch die im -roten- Bologna gefahrene Politik "der Säuberung und Sicherheit, die sich gegen Marginalisierte und Immigranten richtet".

 

Quelle: Indymedia Deutschland. Alle Rechte vorbehalten 

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