Ethikrat debattiert über Mangel- und Fehlernährung Drucken E-Mail
Donnerstag, 24 Juli 2008
Berlin (KNA) Der Ethikrat wird sich voraussichtlich intensiver mit dem Thema Mangel- und Fehlernährung in Deutschland befassen. Der überwiegende Teil des Gremiums sprach sich am Donnerstag in Berlin am Ende der öffentlichen Sitzung dafür aus. Zuvor hatte der dem Ethikrat angehörende Bayreuther Mediziner Eckhard Nagel über die Themen Mangelernährung in Industriestaaten, globale Ernährungskrise und künstliche Ernährung am Lebensende referiert. Die endgültige Entscheidung darüber, ob sich der Ethikrat erstmals mit einem solchen Thema jenseits der Lebenswissenschaften beschäftigen will, stand für den späten Donnerstagnachmittag an.


Nagel wies auf eine eklatante Häufung von Fehl- und Mangelernährung in Industriestaaten hin. Er erinnerte an das in der UN-Menschenrechtskonvention 1948 festgeschriebene Recht auf angemessene Ernährung. Kritisch stellte er die Frage nach der Verantwortung für Mangelernährung. In Deutschland hätten beispielsweise Kinder aus sozial schwachen Familien ein deutlich höheres Übergewichtsrisiko, so der Mediziner.

Nagel zufolge ist eine gesunde Ernährung von Kindern mit den aktuellen Hartz-IV-Sätzen kaum bezahlbar. So lägen schon die durchschnittlichen Verpflegungskosten für Mittagessen in Schule oder Kita über den Regelsätzen. Vor wenigen Wochen hatte das Bundeskabinett einen Nationalen Aktionsplan zur Vorbeugung von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht verabschiedet.

In der Aussprache plädierte der Augsburger Weihbischof Anton Losinger für eine differenzierte Armutsbetrachtung. Gerade bei der Ernährung von Kindern kämen auch «Lifestyle-Entscheidungen» zum Tragen. Ferner müsse das Thema der Vererbbarkeit von Armut in den Blick genommen werden. Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff mahnte eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel an. Zudem müsse ein Kontrapunkt gegen die «Geiz ist geil»-Mentalität beim Lebensmitteleinkauf gesetzt werden.

Die Juristin Kristiane Weber-Hassemer warnte davor, in der Debatte um gesunde Ernährung «oberlehrerhaft» aufzutreten. Es gelte, genau abzuwägen, wie weit Ernährung der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen obliege, und wo Menschen an die Hand genommen werden müssten, so die frühere Vorsitzende des ehemaligen Nationalen Ethikrates.

 

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